Tsching, der Meister der Holzarbeiter, schnitzte einen Glockenspielständer. Als es vollendet war, erschien das Werk allen, die es sahen, als sei es von Geistern geschaffen. Der Fürst von Lu fragte den Meister: „Welches ist dieses Geheimnis in deiner Kunst?“
„Dein Untertan ist nur ein Handwerker,“ antwortete Tsching, „was für Geheimnis könnte er besitzen? Und doch ist da etwas. Als ich daran ging, den Glockenspielständer zu machen, hütete ich mich vor jeder Minderung meiner Lebenskraft. Ich sammelte mich, um meinen Geist zur unbedingten Ruhe zu bringen. Nach drei Tagen hatte ich allen Lohn, den ich erwerben könnte, vergessen. Nach fünf Tagen hatte ich allen Ruhm, den ich erwerben könnte, vergessen. Nach sieben Tagen hatte ich meine Glieder und meine Gestalt vergessen. Auch der Gedanke an deinen Hof, für den ich arbeiten sollte, war geschwunden. Da sammelte sich meine Kunst, von keinem Außen mehr gestört. Nun ging ich in den Hochwald. Ich sah die Formen der Bäume an. Als ich einen erblickte, der die rechte Form hatte, erschien mir der Glockenspielständer, und ich ging ans Werk. Hätte ich diesen Baum nicht gefunden, ich hätte die Arbeit lassen müssen. Meine himmelsgeborene Art und die himmelsgeborene Art des Baumes sammelten sich darauf. Was hier Geistern beigemessen wurde, ist darin allein begründet.“
PLAUDEREI
Ich verstehe es nicht, weshalb die Frauen so anspruchsvoll sind, in allem?! Ich finde schon eine Doppeltüre, wobei die innere noch dick mit Werg ausgepolstert ist, einen Messing-Türverschluß und Ohropax, Wachs-Watte-Kugel als Ohr-Verschlußtüre, für ein außergewöhnliches Glück! Man hätte doch malheureuserweise in einer Zeit leben, vegetieren können, wo das noch nicht erfunden war! Und man hat, man hat! Aber Frauen wollen verehrt, verehrt werden, und begehrt, begehrt werden! Was haben sie von vollständiger garantierter Zimmerruhe mit Doppelpolsterung?! Beweist es ihnen, daß sie doch zu irgend etwas von Nutzen sind?! Nein. Es beweist ihnen gar nichts. Aber sie wollen bewiesen haben! Freude an Gegenständen!? Wenn man ihnen wenigstens diese „Kultur“ beibringen könnte! Aber welcher Gegenstand erfreut sie?! Der, den die andere nicht hat! Einen bestimmten Schirmgriff lieb haben können! Dazu eine geliebte Frau emporerziehen! Die Mode ist für die vorhanden, die nichts wirklich lieb haben können von Gegenständen! Man gibt diesen humpelnden Hexen deshalb diese Krücke „Mode“! Aber der freie bewegliche Mensch ist schwebend, mit eigenem Geschmack, über diesem Kerker „Mode“! Ich sprach früher von gepolsterten Doppeltüren — — — ja, auch das kann bereits glücklich machen, und es ist unabhängig davon, daß einen eine gern hat! Oder einer eine! Glück ist Unabhängigkeit von dem, der einen scheinbar glücklich macht!
DIE URGROSSMUTTER
von Anna Lesznai
(Muster eines gänzlich unverschmockten, verständlichen und dennoch tiefen, einfachen, modernen und dennoch ewig alten Gedichtes!)
Auf vergeßnem Gottesacker ruht mein Ahnchen wurmzerfressen —
selbst die dunkle Ammensage hat den Namen längst vergessen.
Wo du wohntest, Urgroßmutter? Hinterm Berg, im neunten Hage