Veraguth las aufmerksam im beherrschten Gesicht seiner Frau, und sie tat ihm leid.
„Es soll ein Versuch sein,“ sagte er schonend. „Ihr sollt einmal ungestört miteinander leben, du und Albert – und auch Pierre, sagen wir etwa für ein Jahr. Ich dachte mir, es würde dir bequem sein, und für die Kinder wäre es gewiß ganz gut. Sie leiden doch beide etwas darunter, daß – – daß wir nicht so recht mit dem Leben fertig geworden sind. Auch uns selber wird bei einer längeren Trennung alles klarer werden, meinst du nicht?“
„Es mag sein,“ sagte sie leise. „Dein Entschluß scheint ja festzustehen.“
„Ich habe Otto schon geschrieben. Es wird mir ja nicht leicht, von euch allen so lange fortzugehen.“
„Von Pierre, meinst du.“
„Besonders von Pierre, ja. Ich weiß, du wirst gut für ihn sorgen. Ich kann nicht erwarten, daß du ihm viel von mir sprechen wirst; aber laß es mit ihm nicht gehen wie mit Albert!“
Sie schüttelte abwehrend den Kopf.
„Das war nicht meine Schuld, du weißt es.“
Vorsichtig legte er ihr die Hand auf die Schulter, mit unbeholfener, lange nicht geübter Zartheit.
„Ach, Adele, laß uns nicht von Schuld reden. Es soll alle Schuld bei mir sein. Ich will ja gutzumachen versuchen, nichts anderes. Ich bitte nur, laß mich Pierre nicht verlieren, wenn es sein kann! Durch ihn sind wir noch verbunden. Sieh zu, daß seine Liebe zu mir ihm nicht schwer gemacht wird.“