Sie schloß die Augen, als wolle sie sich gegen eine Verführung schützen.
„Wenn du so lange fort bist – –“ sagte sie zögernd. „Er ist ein Kind –“
„Gewiß. Laß ihn ein Kind bleiben! Laß ihn mich vergessen, wenn es nicht anders geht! Aber denke, er ist ein Pfand, das ich dir lasse, und denke, ich muß viel Vertrauen haben, um es dir lassen zu können.“
„Ich höre Albert kommen,“ flüsterte sie rasch, „er wird gleich da sein. Wir reden noch darüber. Es ist nicht so einfach, wie du denkst. Du gibst mir Freiheit, mehr als ich je gehabt und je gewünscht, und du legst mir zugleich eine Verantwortung auf, die mir alle Unbefangenheit nimmt! Laß mich noch darüber denken. Auch du hast wohl deinen Entschluß nicht in einer Stunde gefaßt, so laß auch mich ein wenig Zeit haben.“
Man hörte Schritte vor der Türe und Albert kam herein.
Verwundert sah er den Vater dasitzen. Er grüßte unfrei, gab Frau Adele einen Kuß und setzte sich an den Frühstückstisch.
„Ich habe eine Überraschung für dich,“ fing Veraguth behaglich an. „Die Herbstferien kannst du mit Mama und Pierre verbringen, wo ihr wollt, und auch die Weihnachtszeit. Ich werde mehrere Monate auf Reisen sein.“
Der Jüngling konnte seine Freude nicht verbergen, doch gab er sich Mühe und sagte eifrig: „Wohin willst du denn reisen?“
„Ich weiß noch nicht genau. Zunächst fahre ich mit Burkhardt nach Indien.“
„O, so weit fort! Ein Schulfreund von mir ist dort geboren, ich glaube in Singapore. Da gibt es noch Tigerjagden.“