Er sah ihm aufmerksam mit seinem suchenden Malerblick in die flehenden Augen, er lächelte schwach und er nickte ihm leise zu, gütig und bedauernd, aber ohne Trost, als sei hier durchaus nicht zu helfen. Einen kleinen Augenblick lief ein Schatten von Liebe und von verwandtem Leid über sein strenges Gesicht, und in diesem kleinen Augenblick war er nicht der mächtige Vater mehr, sondern eher ein armer, hilfloser Bruder.

Dann richtete er den Blick wieder geradeaus und ging langsam in demselben gleichmäßigen Schritt davon, den er nicht unterbrochen hatte.

Pierre sah ihn gehen und verschwinden, der kleine Weiher und der Weg und der Blumengarten wurden dunkel vor seinen entsetzten Augen und sanken dahin wie Nebelgewölk. Er erwachte mit schmerzenden Schläfen und brennend trockener Kehle, sah sich allein im dämmerigen Stübchen zu Bette liegen, versuchte verwundert zurück zu denken, fand aber keine Erinnerungen und legte sich erschöpft und mutlos auf die andere Seite.

Nur langsam kam ihm das volle Bewußtsein wieder und ließ ihn aufatmen. Es war häßlich, krank zu sein und Kopfschmerzen zu haben, aber es war zu ertragen, und es war leicht und süß im Vergleich mit dem tödlichen Gefühl des Angsttraumes.

„Wozu soll all die Quälerei gut sein?“ dachte Pierre und kroch unter der Decke eng zusammen. Wozu wurde man krank? Wenn es eine Strafe war – für was sollte er denn gestraft werden? Er hatte nicht einmal etwas Verbotenes gegessen, wie früher einmal, wo er sich an halbreifen Pflaumen verdorben hatte. Die waren ihm verboten gewesen, und da er sie trotzdem gegessen hatte, geschah es ihm recht und er mußte die Folgen tragen. Das war klar. Aber jetzt? Warum lag er jetzt im Bett, warum hatte er erbrechen müssen und warum stach es so jammervoll in seinem Kopf?

Er war lange wach gelegen, als seine Mutter wieder ins Zimmer kam. Sie zog den Vorhang am Fenster zurück, weiches Abendlicht floß voll und mild herein.

„Wie geht’s, Liebling? Hast du schön geschlafen?“

Er gab keine Antwort. Auf der Seite liegend, wendete er die Augen empor und blickte sie an. Verwundert hielt sie dem Blick stand, er war merkwürdig prüfend und ernsthaft.

„Kein Fieber,“ dachte sie getröstet.

„Willst du jetzt etwas zu essen haben?“