Das Schlimmste war, daß er selber nicht zu rufen vermochte. Er war durch nichts daran gehindert, es tat ihm nichts weh, aber er hatte keinen Mut und keinen rechten Willen dazu; er sah ein, daß alles so sein müsse und daß es nur noch schrecklicher würde, wenn man sich dagegen auflehnte.

Pierre spazierte langsam weiter durch die seelenlose Gartenpracht, glänzend standen tausend herrliche Blumen in der hellen, toten Luft, als wären sie nicht wirklich und lebendig, und von Zeit zu Zeit traf er Albert oder die Mutter oder den Vater wieder an und sie wandelten an ihm und aneinander stets in derselben starren Fremdheit vorüber.

Ihm schien, als sei es so schon lange Zeit, vielleicht Jahre, und jene anderen Zeiten, da die Welt und der Garten lebendig und die Menschen froh und gesprächig gewesen waren und er selber voll Lust und Wildheit, jene Zeiten lägen undenkbar weit in einer tiefen, blinden Vergangenheit. Vielleicht war es immer so gewesen wie jetzt, und das Frühere war nur ein hübscher, närrischer Traum.

Schließlich kam er an ein kleines steinernes Wasserbecken, wo der Gärtner früher die Gießkannen gefüllt und worin er selber einmal ein paar winzige Kaulquappen gehalten hatte. Das Wasser stand regungslos in grüner Helle, es spiegelte den Steinrand und die überhängenden Blätter einer Staude mit gelben Sternblumen und sah hübsch, verlassen und irgendwie unglücklich aus, wie alles andere.

„Wenn man da hineinfällt, dann ertrinkt man und ist tot,“ hatte der Gärtner früher einmal gesagt. Es war aber gar nicht tief.

Pierre trat an den Rand des ovalen Beckens und beugte sich vor.

Da sah er sein eigenes Gesicht im Wasser gespiegelt. Es sah aus wie die Gesichter der anderen: alt und bleich und tief in gleichgültiger Strenge erstarrt.

Er sah es erschreckt und verwundert, und plötzlich stieg die heimliche Furchtbarkeit und sinnlose Traurigkeit seines Zustandes übermächtig in ihm auf. Er versuchte zu schreien, aber es gab keinen Ton. Er wollte laut aufweinen, aber er konnte nur das Gesicht verziehen und hilflos grinsen.

Da kam sein Vater wieder gegangen, und Pierre wendete sich zu ihm in einer ungeheuren Anstrengung aller gebannten Seelenkräfte. Alle Todesangst und alles unerträgliche Leid seines verzweifelten Herzens flüchtete sich in stummem Schluchzen hilfebegehrend zum Vater, der in seiner gespenstischen Ruhe herankam und ihn wieder nicht zu sehen schien.

„Vater!“ wollte der Knabe rufen, und obwohl kein Ton zu hören war, drang doch die Gewalt seiner furchtbaren Not zu dem stillen Einsamen hinüber. Der Vater wendete das Gesicht und sah ihn an.