Eine Viertelstunde stand er still vor seinem Bilde, das die Kraft und die guten Stunden einiger Wochen in sich getrunken hatte und ihm leuchtend in die Augen sah, indessen er selbst erschöpft und fremd vor seinem Werke stand.
„Ach was, ich werde es verkaufen und meine indische Reise davon bezahlen,“ sagte er in wehrlosem Zynismus. Er schloß die Türen der Werkstatt zu und ging ins Haus, um nach Pierre zu sehen, den er schlafend fand. Der Knabe sah besser aus als am Mittag, der Schlaf hatte sein Gesicht gerötet, der Mund stand halb offen, der Ausdruck von Qual und Trostlosigkeit war verschwunden.
„Wie rasch das bei Kindern geht!“ sagte er in der Türe flüsternd zu seiner Frau. Sie lächelte schwach und er sah, daß auch sie aufatme und daß auch ihre Sorge größer gewesen sei, als sie gezeigt hatte.
Allein mit seiner Frau und Albert zu speisen, schien ihm nicht verlockend.
„Ich gehe zur Stadt,“ sagte er, „und bin den Abend nicht hier.“
Der kranke Pierre lag schlummernd in seinem Kinderbett, die Mutter verdunkelte das Zimmer und ließ ihn allein.
Ihm träumte, er gehe langsam durch den Blumengarten. Es war alles ein wenig verändert und viel größer und weiter als sonst, er ging und ging und kam an kein Ende. Die Beete waren schöner, als er sie je gesehen hatte, aber die Blumen sahen alle sonderbar gläsern, groß und fremdartig aus und das Ganze glänzte in einer traurig toten Schönheit.
Etwas beklommen umging er ein Rondell mit großblumigen Sträuchern, ein blauer Schmetterling hing ruhig saugend an einer weißen Blüte. Es war unnatürlich still, und auf den Wegen lag kein Kies, sondern etwas Weiches, worauf man wie auf Teppichen ging.
Jenseits kam ihm seine Mama entgegen. Aber sie sah ihn nicht und nickte ihm nicht zu, sie schaute streng und traurig in die Luft und ging lautlos vorüber wie ein Geist.
Und bald darauf, auf einem anderen Wege, sah er ebenso den Vater gehen, und später Albert, und jeder ging still und streng geradeaus und keiner wollte ihn sehen. Verzaubert liefen sie einsam und steif umher, und es schien, als müsse es allezeit so bleiben, als werde nie ein Blick in ihre starren Augen und nie ein Lachen in ihre Gesichter kommen, als werde niemals ein Ton in diese undurchdringliche Stille wehen und nie der leiseste Wind die regungslosen Zweige und Blätter rühren.