„Gut, Albert, das ist brav. Es ist jetzt wirklich keine leichte Zeit für mich, ich bin froh, dich da zu haben. Mit Papa kommst du ja nun auch wieder besser aus, nicht?“

„Ach ja, seit er sich zu der Reise entschlossen hat. Übrigens sehe ich ihn so wenig, er malt den ganzen Tag. Weißt du, manchmal tut es mir leid, daß ich oft häßlich gegen ihn war – er hat mich ja auch gequält, aber er hat etwas, was mir doch allemal wieder imponiert. Er ist ja furchtbar einseitig, und von Musik versteht er nicht viel, aber er ist doch ein großer Künstler und hat eine Lebensaufgabe. Das ist es, was mir so imponiert. Er hat ja nichts von seiner Berühmtheit, und von seinem Geld eigentlich auch recht wenig; es ist nicht das, wofür er arbeitet.“

Er zog die Stirn in Falten, nach Worten suchend. Aber er konnte sich nicht so, wie er wollte, ausdrücken, obwohl es ein genau bestimmtes Gefühl war. Die Mutter lächelte und strich ihm das Haar zurück.

„Wollen wir abends wieder miteinander Französisch lesen?“ fragte sie schmeichelnd.

Er nickte und lächelte nun auch, und im Augenblick schien es ihr töricht und unbegreiflich, daß sie noch vor kurzem nach einem anderen Schicksal hatte verlangen können, als danach, für ihre Söhne zu leben.

Fünfzehntes Kapitel

Kurz vor Mittag erschien Robert draußen am Waldrande bei seinem Herrn, um ihm das Malzeug heimtragen zu helfen. Veraguth hatte eine neue Studie fertig, die er selbst tragen wollte. Er wußte jetzt genau, wie das Bild werden mußte, und dachte es nun in wenigen Tagen zu zwingen.

„Morgen früh ziehen wir wieder aus,“ rief er vergnügt und zwinkerte mit ermüdeten Augen in die blendende Mittagswelt.

Robert knöpfte umständlich seinen Rock auf und zog ein Papier aus der Brusttasche. Es war ein etwas zerknittertes Kuwert ohne Aufschrift.

„Das soll ich abgeben.“