Ich danke ihr, versichere aber, dass keine Gefahr ist und dass nichts mir Furcht einflösst, da mein Gewissen rein ist. Mit einem Lächeln wünscht sie mir eine gute Nacht.
Ich kleide mich wieder in Schlachtmantel, Mütze und Stiefel, fest entschlossen, in Kleidern zu schlafen, bereit, als tapferer Krieger, der dem Tod trotzt, nachdem er das Leben verachtet hat, zu sterben.
Gegen elf Uhr beginnt die Luft im Zimmer dick zu werden, und eine tödliche Angst bemächtigt sich meines Mutes. Ich öffne das Fenster: ein Luftzug droht die Lampe auszulöschen; ich schliesse es wieder.
Die Lampe beginnt zu singen, zu seufzen, zu wimmern. Dann Schweigen.
Da stösst ein Dorfhund klagende Laute aus; das bedeutet nach dem Volksglauben eine Totenklage.
Ich sehe zum Fenster hinaus: der grosse Bär ist allein sichtbar. Unten im Armenhaus brennt ein Licht, und eine alte Frau wartet, über ihre Handarbeit gebückt, auf die Befreiung; vielleicht fürchtet sie den Schlaf und die Träume.
Da ich müde bin, lege ich mich wieder auf mein Bett und versuche einzuschlafen. Bald wiederholt sich das alte Spiel. Ein elektrischer Strom sucht mein Herz, die Lungen hören auf zu arbeiten, ich muss aufstehen, wenn ich dem Tode entgehen will. Ich setze mich auf einen Stuhl, bin aber zu erschöpft, um lesen zu können; so sitze ich eine halbe Stunde starr da.
Dann entschliesse ich mich, bis der Morgen anbricht, spazieren zu gehen. Ich gehe hinunter. Die Nacht ist dunkel und das Dorf schläft; aber die Hunde schlafen nicht, und als einer von ihnen anschlägt, umringt mich die ganze Bande; ihre gähnenden Rachen und ihre funkelnden Augen zwingen mich zum Rückzug.
Als ich wieder die Tür meines Zimmers öffne, ist es mir, als sei die Stube von lebendigen und feindlichen Wesen bewohnt. Das Zimmer ist davon erfüllt, und ich glaube durch eine Menge zu dringen, als ich mein Bett zu erreichen suche; resigniert und zum Sterben entschlossen, falle ich darauf nieder.
Aber im letzten Augenblick, wenn der unsichtbare Geier mich unter seinen Schwingen ersticken will, reisst mich jemand vom Bett, und die Jagd der Furien beginnt wieder. Besiegt, zu Boden geschlagen, in Unordnung gebracht, verlasse ich das Schlachtfeld und weiche in dem ungleichen Kampf gegen die Unsichtbaren.