Es ist ein wahres Wunder.
Ich fürchte mich vor der nächsten Nacht, und meine Mutter ist vorbereitet. Sie hat mir ein Amulett gegeben, damit ich es um den Hals trage. Es ist eine Madonna und ein Kreuz aus heiligem Holz, das zu dem Balken einer mehr als tausendjährigen Kirche gehört hat. Ich nehme es als ein kostbares Geschenk an, das aus gutem Herzen angeboten ist, aber ein Rest der Religion meiner Väter verbietet es mir, es um meinen Hals zu hängen.
Beim Abendessen, es ist gegen acht Uhr und die Lampe ist angesteckt, herrscht eine unglücksverheissende Stille in unserem kleinen Kreise. Draussen ist es dunkel, die Bäume schweigen. Ruhe überall.
Da dringt ein Windstoss, ein einziger, durch die Ritzen der Fenster und stösst ein Gebrüll aus, das dem Laut der Maultrommel ähnlich ist. Dann ist es zu Ende.
Meine Mutter wirft mir einen entsetzten Blick zu und drückt das Kind in ihre Arme.
In einer Sekunde begreife ich, was dieser Blick mir sagt: Weiche von uns, Verdammter, und ziehe nicht die rächenden Dämonen auf Unschuldige herab.
Alles stürzt ein; das einzige Glück, das mir geblieben ist, bei meinem Töchterchen zu weilen, wird mir genommen, und in dem traurigen Schweigen nehme ich in Gedanken Abschied vom Leben.
Nach dem Abendessen ziehe ich mich in das rosa Zimmer zurück, das jetzt schwarz ist, und bereite mich auf einen nächtlichen Kampf vor, denn ich fühle mich bedroht Durch wen? Ich weiss es nicht; aber ich fordere den Unsichtbaren heraus, wer es auch sei, der Teufel oder der Ewige, und ich werde mir ihm ringen, wie Jakob mit Gott.
Man klopft an die Tür: das ist meine Mutter, die eine schlechte Nacht für mich ahnt und mich einlädt, auf dem Sofa im Salon zu schlafen.
—Des Kindes Gegenwart wird dich retten!