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In Tagen harter Arbeit errichtete ich einen Tempel. Er hatte weder Türen noch Fenster, seine Mauern waren breit gebaut mit festen Quadern.

Ich vergaß alles andere, ich mied alle Welt, ich starrte verzückt auf das Bild, das ich auf den Altar gesetzt hatte.

Es war drinnen immer Nacht, die von Lampen mit duftendem Öl erleuchtet war.

Der endlose Weihrauch umwand mein Herz mit seinen schweren Ringen.

Schlaflos schnitt ich in die Wände phantastische Figuren in labyrinthisch irren Linien — geflügelte Rosse, Blumen mit menschlichen Gesichtern, Frauen mit Gliedern wie Schlangen.

Nirgends war ein Zugang gelassen, durch den das Lied der Vögel, das Murmeln der Blätter oder das Summen des geschäftigen Dorfes hereinkommen konnte.

Der einzige Laut, der von der dunklen Kuppel widerhallte, waren die Beschwörungen, die ich sang.

Mein Geist wurde scharf und unbewegt wie eine Stichflamme, die Sinne schwanden mir in Verzückung.

Ich wußte nicht, wie die Zeit verging, bis der Donnerkeil den Tempel traf und jäher Schmerz mir das Herz durchstach.