Der Ingenieur Robur dagegen schien — ob aus Gewohnheit oder mit Absicht — keine besondere Eile zu haben, seinen Ruff zu verlassen; und als das heute endlich geschah, begnügte er sich, seine beiden Gäste zu begrüßen, als er auf dem Hintertheile des Aeronef ihren Weg kreuzte.
Inzwischen hatte sich auch Frycollin mit vor Schlaflosigkeit gerötheten Augen, glanzlosem Blicke und schlotternden Beinen aus seiner Cabine gewagt. Er ging dahin wie Einer, dessen Fuß es empfindet, daß dem Boden darunter nicht recht zu trauen ist. Sein erster Blick richtete sich nach der Auftriebsmaschinerie, die, ohne sich zu beeilen, mit beruhigender Regelmäßigkeit arbeitete.
Danach begab sich der immerfort schwankende Neger nach der Reeling und ergriff diese mit beiden Händen, um sich, mehr Gleichgewicht zu sichern. Offenbar wünschte er einen Ueberblick über das Land zu gewinnen, das der „Albatros“ jetzt in der Höhe von höchstens zweihundert Metern überflog.
Frycollin hatte sich tüchtig zusammennehmen müssen, um einen solchen Versuch zu wagen. Es bedurfte ja, seiner Meinung nach, einer gewissen Kühnheit, seine werthe Person einer solchen Gefahr auszusetzen.
Vor der Reeling stehend, hielt Frycollin erst den Körper nach rückwärts geneigt, dann schüttelte er an derselben, um ihre Haltbarkeit zu prüfen; nachher richtete er sich auf, beugte sich etwas nach vorwärts und steckte endlich den Kopf ein wenig hinaus. Wir brauchen wohl nicht zu bemerken, daß er während der Dauer dieses Experimentes beide Augen fest geschlossen hielt. Endlich öffnete er dieselben.
Hei, wie schrie er da laut, wie flog er eiligst zurück und wie verkroch sich sein Kopf zwischen den Schultern!
Unter dem Abgrunde hatte er den ungeheuren Ocean erblickt. Wären seine Haare nicht gar zu krank gewesen, sie hätten sich gewiß über der Stirn gesträubt.
„Das Meer! Das Meer! ...“ schrie er auf.
Frycollin wäre lang auf das Verdeck hingestürzt, wenn der Koch nicht die Arme ausgebreitet hätte, ihn aufzufangen.
Dieser Koch war ein Franzose, vielleicht ein Gascogner, obwohl er sich François Tapage nannte. Wenn er nicht Gascogner war, so mußte er während seiner Kindheit die Brisen der Garonne eingesaugt haben. Wie dieser François Tapage aber in die Dienste des Ingenieurs gekommen, durch welche Reihe von Zufälligkeiten er unter die Mannschaft des „Albatros“ gerathen war, das wußte kein Mensch. Jedenfalls sprach dieser Schlaukopf englisch trotz jedem Yankee.