Ehe wir reisen, erwarte ich Dich noch einmal auf Roßhalde. Ich muß Dir ein Bild zeigen, das dieser Tage fertig wird. Das Ding ist gut und wäre ein hübscher Schlußpunkt, falls mich draußen Eure Krokodile fräßen, was mir übrigens unerwünscht wäre, trotz allem.

Ich muß zu Bett, obwohl ich keinen Schlaf habe. Ich war heute neun Stunden vor der Staffelei.

Dein Johann.

Der Brief wurde adressiert und in den Vorraum gelegt, damit ihn Robert morgens zur Post bringe.

Als der Maler vor dem Schlafengehen den Kopf aus dem Fenster steckte, nahm er erst das Rauschen des Regens wahr, auf das er am Schreibtisch nicht geachtet hatte. Es sank in weichen Strähnen aus der Finsternis herab und er hörte noch lang vom Bett aus zu, wie es fiel und strömte und von dem beschwerten Laub in kleinen klingenden Güssen zur dürstenden Erde lief.

Zehntes Kapitel

„Pierre ist so langweilig,“ sagte Albert zu seiner Mutter, als sie miteinander in den vom Regen erfrischten Garten gingen, um Rosen zu schneiden. „Er hat sich ja die ganze Zeit nicht eben viel aus mir gemacht, aber gestern war rein gar nichts mit ihm anzufangen! Neulich, als ich davon sprach, wir wollten einmal eine Wagenfahrt zusammen machen, da war er ganz begeistert. Und gestern mochte er kaum mitgehen, ich mußte ihn fast darum bitten. Es war ja kein sehr großes Vergnügen für mich, da ich nicht beide Pferde nehmen durfte, ich ging eigentlich überhaupt nur seinetwegen.“

„War er denn unterwegs nicht artig?“ fragte Frau Veraguth.

„Ach, artig war er schon, nur so langweilig! Er hat manchmal direkt etwas Blasiertes, der Junge. Was ich auch vorschlug und was ich ihm zeigte oder anbot, war ihm kaum ein Jaja oder ein Lächeln wert, er wollte nicht auf dem Bock sitzen, er wollte nicht kutschieren lernen, nicht einmal Aprikosen essen wollte er. Richtig wie ein verwöhnter Prinz. Es war ärgerlich und ich sage es dir, weil ich ihn wirklich ein andermal nicht wieder mitnehmen möchte.“

Die Mutter blieb stehen und sah ihn prüfend an; sie mußte über seine Erregung lächeln und sah mit Befriedigung in seine funkelnden Augen.