Er dachte kaum mehr an seine Söhne, als nach einer halben Stunde Gehens ihm ihr Wagen entgegenkam. Er achtete erst darauf, als er schon nahe war. Bei einem großen Birnbaum blieb Veraguth stehen, und als er Alberts Gesicht erkennen konnte, trat er noch mehr zurück, um nicht gesehen und abgerufen zu werden.

Albert war allein auf dem Bock. Pierre saß halb liegend in einer Wagenecke, hatte den unbedeckten Kopf gesenkt und schien eingeschlafen. Der Wagen rollte vorüber und der Maler sah ihm nach, er blieb am Rande der staubigen Straße stehen, solange der Wagen noch zu sehen war. Dann kehrte er um und ging den Weg zurück. Er hätte Pierre gerne noch gesehen, doch war es für den Knaben bald Schlafenszeit, auch hatte Veraguth keine Lust, sich heute nochmals bei seiner Frau zu zeigen.

So ging er am Park, am Hause und Hoftor vorbei und in die Stadt hinunter, wo er in einem volkstümlichen Weinkeller sein Abendessen nahm und in den Zeitungen blätterte.

Indessen waren seine Söhne längst zu Hause. Albert saß bei der Mutter und erzählte. Pierre war sehr müde gewesen, hatte gar nichts mehr essen mögen und lag nun schlafend in seinem hübschen kleinen Schlafzimmer. Und als der Vater in der Nacht zurückkam und am Hause vorüberging, war nirgends mehr ein Licht zu sehen. Die laue, sternlose Nacht umfing Park, Haus und See mit schwarzer Stille und aus der regungslosen Luft fielen feine, leise Regentropfen.

Veraguth machte in seiner Wohnstube Licht und setzte sich an den Schreibtisch. Sein Verlangen nach Schlaf hatte sich wieder ganz verloren. Er nahm ein Briefblatt und schrieb an Otto Burkhardt. Durch die offenen Fenster kamen kleine Nachtfalter und Motten geflogen. Er schrieb:

Mein Lieber!

Vermutlich erwartest Du jetzt gar keinen Brief von mir. Aber wenn ich schon schreibe, erwartest Du wieder mehr, als ich geben kann. Du erwartest, es sei jetzt Klarheit in mich gekommen und ich sähe die schadhafte Maschinerie meines Lebens so sauber im Querschnitt, wie Du sie zu sehen meinst. Damit ist es leider nichts. Ein Wetterleuchten ist ja wohl in mir aufgegangen, seit wir darüber gesprochen haben, und es starren mir in manchen Augenblicken recht peinliche Enthüllungen entgegen; aber Tag ist es doch noch nicht geworden.

Was ich also später tun oder lassen werde, kann ich nicht sagen. Aber wir reisen! Ich fahre mit Dir nach Indien, bitte, besorge mir einen Schiffsplatz, sobald Du den Termin weißt. Vor dem Ende des Sommers geht es nicht, aber im Herbst je eher je lieber.

Das Bild mit den Fischen, das Du hier sahest, möchte ich Dir schenken, aber es wäre mir lieb, wenn es in Europa bliebe. Wohin soll ich es schicken?

Hier ist alles wie immer. Albert spielt den Weltmann und wir behandeln einander mit ungeheurer Achtung wie zwei Gesandte feindlicher Mächte.