Ein lachendes Gezwitscher der Knabenstimme gab Antwort, und die friedevolle grüne Gartenwelt und das sanft tönende verwehte Kindergespräch in der erwartungsvollen Sommerstille klang dem Manne einen flüchtig zarten Augenblick lang wie aus dem fernen Garten der eigenen Kindheit herüber. Er trat an die Hecke und spähte zwischen den Ranken hindurch in den Garten, wo seine Frau im Morgenkleid auf dem sonnigen Wege stand, eine Blumenschere in der Hand und einen braunen leichten Korb am Arm. Sie war kaum zwanzig Schritte von der Hecke entfernt.
Der Maler betrachtete sie einen Augenblick. Die große Gestalt mit dem ernsthaften und enttäuschten Frauengesicht bückte sich über die Blumen, der große schlaffe Strohhut beschattete das ganze Gesicht.
„Wie heißen die Blumen da?“ fragte Pierre. In seinen braunen Haaren spielte das Licht, die nackten Beine standen mager und sonnenbraun in der Helle, und wenn er sich bückte, sah man im weiten Ausschnitt seiner Bluse unter dem braungebrannten Nacken die weiße Haut des Rückens hervorschimmern.
„Buschnelken,“ sagte die Mutter.
„Ja, das weiß ich,“ fuhr Pierre fort, „aber ich muß wissen, wie die Bienen zu ihnen sagen. In der Bienensprache müssen sie doch auch einen Namen haben.“
„Gewiß, aber den kann man nicht wissen, den wissen nur die Bienen selber. Vielleicht heißen sie sie Honigblumen.“
„Das ist nichts,“ entschied er dann. „Im Klee finden sie gerade soviel Honig, und in den Kapuzinern auch, und sie können doch nicht für alle Blumen den gleichen Namen haben.“
Aufmerksam sah der Knabe einer Biene zu, die einen Nelkenkelch umflog, mit surrenden Flügeln davor in der Luft stillhielt und dann begierig in die rosige Höhlung eindrang.
„Honigblumen!“ dachte er geringschätzig und schwieg. Er hatte es längst erfahren, daß man gerade die hübschesten und interessantesten Dinge nicht wissen und erklären kann.