„Ich will dir raten. Es ist jetzt Juli; im Herbst fahre ich nach Indien zurück. Vorher komme ich noch einmal zu dir, und ich hoffe, du wirst dann schon die Koffer bereit haben und mit mir reisen. Hast du dann deinen Entschluß gefaßt und ja gesagt, dann desto besser! Findest du aber den Entschluß nicht, so komm für ein Jahr, oder meinetwegen für ein halbes Jahr, mit mir, aus dieser Luft heraus. Du kannst bei mir malen und reiten, du kannst auch Tiger schießen oder dich in Malaiinnen verlieben – es gibt hübsche – auf alle Fälle bist du eine Weile weit von hier weg und kannst versuchen, ob es sich nicht so besser leben läßt. Was meinst du?“

Mit geschlossenen Augen wiegte der Maler seinen großen, struppigen Kopf mit dem bleichen Gesicht und dem eingezogenen Munde hin und her.

„Danke!“ rief er halb lächelnd. „Danke, es ist lieb von dir. Im Herbst werde ich dir sagen, ob ich mitkomme. Bitte, laß mir die Photographien da.“

„Die kannst du haben ... Aber – – kannst du nicht heut oder morgen schon dich wegen der Reise entschließen? Es wäre besser für dich.“

Veraguth erhob sich und ging zur Türe.

„Nein, du, das kann ich nicht. Wer weiß, was inzwischen geschieht! Ich bin seit Jahren niemals länger als für drei, vier Wochen ohne Pierre gewesen. Ich glaube, ich werde mit dir reisen, aber ich will jetzt nichts sagen, was mich reuen könnte.“

„Nun, lassen wir es gut sein! Ich werde dir immer mitteilen, wo ich zu finden bin. Und wenn du eines Tages drei Worte telegraphierst, daß du mitkommst, so brauchst du der Reise wegen keinen Finger zu rühren. Das ist dann meine Sache. Von hier nimmst du nur Wäsche und Malzeug mit, aber reichlich, alles andere besorge ich nach Genua.“

Veraguth umarmte ihn schweigend.

„Du hast mir geholfen, Otto, ich vergesse das nimmer. – Jetzt lasse ich den Wagen kommen, wir werden heute zu den Mahlzeiten nicht drüben erwartet. Und nun wollen wir gar nichts mehr tun, als einen schönen Tag miteinander feiern, wie vor Zeiten in den Sommerferien! Wir werden über Land fahren, ein paar schöne Dörfer ansehen und im Wald liegen, wir werden Forellen essen und guten Landwein aus dicken Gläsern trinken. Was für ein Glanzwetter wir heut haben!“

„Es ist seit zehn Tagen nicht anders,“ lachte Burkhardt. Und auch Veraguth lachte.