Die Dämmerung hatte begonnen, als Otto Burkhardt aus dem schon vom großen Leuchter erhellten Hausflur trat und sich von Albert verabschiedete. Unter den Kastanien blieb er stehen, sog durstig die zart gekühlte, laubduftende Abendluft ein und wischte sich große Schweißtropfen von der Stirne. Wenn er seinem Freunde ein wenig helfen konnte, mußte es in dieser Stunde geschehen.

Im Atelierhaus war kein Licht und er fand den Maler weder in der Werkstatt noch in den Nebenräumen. Er öffnete die Türe gegen den Weiher und ging suchend mit leisen Schritten rund um das Haus. Da sah er ihn sitzen, in dem Rohrstuhl, in dem er ihn heute gemalt hatte, die Ellbogen aufgestützt und das Gesicht in den Händen, so ruhig, als schliefe er.

„Johann!“ rief er leise, trat zu ihm und legte ihm die Hand auf den gebeugten Kopf.

Es kam keine Antwort. Er blieb stehen, schwieg und wartete und streichelte dem in Müdigkeit und Leid Versunkenen das kurze grobe Haar. In den Bäumen ging der Wind, sonst war es still und abendfriedlich. Minuten vergingen. Da kam plötzlich vom Herrenhause her durch die Dämmerung eine breite Klangwoge geschwollen, ein voller lang ausgehaltener Akkord, und wieder einer. Es war der erste Takt einer Klaviersonate.

Da hob der Maler den Kopf, schüttelte die Hand seines Freundes sanft von sich und stand auf. Er sah Burkhardt still aus müden, trockenen Augen an, versuchte ein Lächeln aufzubringen und ließ davon wieder ab, indem seine starren Züge erschlafften.

„Wir wollen hineingehen,“ sagte er mit einer Gebärde, als suche er die von drüben heranflutende Musik von sich abzuwehren.

Er ging voran. Bei der Türe zum Atelier blieb er stehen.

„Ich denke, wir werden dich wohl nimmer lange hier haben?“

Wie er alles fühlt! dachte Burkhardt. Mit beherrschter Stimme sagte er: „Es kommt ja auf einen Tag nicht an. Ich denke, ich reise übermorgen.“

Veraguth tastete nach den Drückern. Mit einem feinen Metallton strahlten alle Lichter der Werkstatt blendend auf.