Besorgt und doch von seinem freundlich sicheren Ton beruhigt, fing sie zu berichten an. Am meisten habe sie Pierres Teilnahmlosigkeit erschreckt, es sei, als habe er sie gar nimmer lieb. Es sei ihm einerlei, ob man ihn bitte oder schelte, er sei gegen alles gleichgültig. Sie erzählte von dem Bilderbuch, und er nickte.

„Lassen Sie ihn gewähren!“ sagte er im Aufstehen. „Er ist krank und kann augenblicklich nichts für seine Unarten. Lassen Sie ihn möglichst in Ruhe! Wenn er Kopfschmerzen hat, kann er Eisumschläge bekommen. Und abends stecken Sie ihn möglichst lang in ein laues Bad, das macht Schlaf.“

Er verabschiedete sich und duldete nicht, daß sie ihn die Treppe hinab begleite.

„Sehen Sie zu, daß er heute etwas ißt!“ sagte er noch im Weggehen.

Unten trat er in die offenstehende Küchentür und fragte nach Veraguths Diener.

„Rufen Sie Robert her!“ befahl die Köchin der Magd. „Er muß im Atelier sein.“

„Es ist nicht nötig,“ rief der Sanitätsrat. „Ich gehe selber hinüber. Nein, lassen Sie nur, ich weiß den Weg.“

Er verließ die Küche mit einem Scherzwort und schritt, plötzlich voll Ernst und Nachdenklichkeit, langsam unter den Kastanien hinweg.

Frau Veraguth überdachte nochmals jedes Wort, das der Arzt gesagt hatte, und kam nicht ins reine damit. Offenbar nahm er Pierres Unwohlsein ernster als bisher, doch hatte er eigentlich nichts Schlimmes gesagt und war so sachlich und ruhig gewesen, daß doch wohl keine ernstliche Gefahr bestand. Es schien ein Zustand von Schwäche und Nervosität zu sein, den man mit Geduld und guter Pflege abwarten mußte.

Sie ging ins Musikzimmer und schloß den Flügel ab, damit Albert sich nicht doch etwa einmal vergesse und unvermutet zu spielen beginne. Und sie besann sich, in welchen Raum man etwa das Instrument schaffen lassen könne, falls das länger dauern sollte.