Hier wagte sie zu hoffen, daß sie in ihrer Kunst nach Großem streben dürfe.

„Schaff dir deine Welt; wie du sie schaffst, so ist sie. Sie ist nur in dir selbst, in deiner Vorstellung. Schaff sie dir und glaub an deine Welt!“

Ja, sie hatte an ihre Welt geglaubt.

Wie sie gearbeitet hatte! Ernst und glühend, um die Seele von Schmach zu reinigen.

Henry Mengersen hatte ihr von ihr selbst ein so tief gemeines Bild gezeigt. Ihre junge, heilige Liebe zu ihm, ihr großes Opfer hatte er wie etwas Schmutziges mit dem Fuß beiseite geschoben, so wenig Umstände mit ihr gemacht, wie mit der gemeinsten Straßendirne. Er hatte sie mit seiner Beschimpfung vergiftet, daß sie bis heute nicht wieder gesund hatte werden können, wie andere Leute, die ihre Jugend gedankenlos genießen. Ein tiefer, ungestillter Haß gegen Mengersen war im Grund ihrer Seele.

Jahrelang hatte sie es mit angesehn, wie er ihrer Schwester, seinem Weibe, dasselbe that wie ihr einst, wie er Maries Seele verleugnete und danach schlug, wie nach einem zudringlichen Tier. Er der hochentwickelte Geistesmensch konnte es nicht ertragen, neben sich ein Geschöpf zu dulden, dessen Seele leben wollte. Weil das Geschöpf Weib war, konnte er es nicht ertragen.

Unter solcher Mißachtung leben müssen, fühlen müssen, Kinder gebären müssen!

Ja, schaff dir deine Welt und glaub an deine Welt.

‚Und so schuf ich sie mir!‘ dachte Isolde, ‚eine so feine Welt! Und meine lieben Nächsten schufen sich die Gegenvorstellung zu meiner Welt. So ziehen die Träume der Menschen gegeneinander zu Felde und vernichten sich gegeneinander. Nur die Träume der Menschen! — und doch welches Leid — welche Qual!‘

Auf Isolde wirkte in diesem Frühjahr alles so schwer und trostlos.