Henry Mengersen lernte jetzt das breite, behagliche Weibtum in seinem Hause kennen, das wie eine Walze alles niederdrückt, was ihm nicht paßt. Aber vorzügliche Mahlzeiten gab es, tadellose Wäsche, geputzte Kinder, ein schwerfälliger Ernst — und das Kleinste war zur Wichtigkeit erhoben.

Ein zarter, zudringlicher Geist, der mit erhobenen Händen unermüdlich gefleht hatte: ‚Nimm mich mit, laß mich nicht verschmachten‘, war verstummt. Diese arme, bittende Seele drängte sich nicht mehr an ihn heran. Ob er das wohl bemerkte?

Den ganz kleinen Kindern vertraute Marie sich an, nahm sie auf den Schoß und klagte es ihnen leise in die Öhrchen, was ihr gethan worden war.

Auch Isolden sagte sie kein Wort. Die fühlte nur eine große Müdigkeit und Stumpfheit in ihrer Schwester, ähnlich der Müdigkeit und Stumpfheit, die sie in Mama empfand. ‚Triste‘! dachte Isolde wieder, ‚Triste! Gott bewahr einen vor so etwas.‘

Sie war dieses Frühjahr selbst so schwer gestimmt, so schwer wie noch nie.

Es war doch der Tod des Vaters und der Tod selbst, der ihr das Leben so bedeutungslos, so unnötig erscheinen ließ.

Und was für ein Leben lebte sie denn eigentlich selbst? Es spielte sich in ihrem stillen, hohen Atelier ab; da lebte sie — ja — das nannte sie „Leben“, was sie da that.

Zu einer rechten Liebe hatte sie es seit der leidenschaftlichen Anbetung Henrys nicht wieder gebracht, hatte kein einziges Mal warm wieder als Weib empfunden, so viel sie auch begehrt wurde.

Ihr lieber Freund, Lus „Guter“ ja, der liebte ihre Seele, dem gegenüber durfte sie sich ganz geben wie sie sich selbst empfand. Ein wunderbares Verhältnis, das sie zu diesem seltnen Mann hatte, so wohlthätig bis in die innersten Nerven.

An dieser Freundschaft war sie gesundet. Bei ihm fühlte sie sich als freies, vollgültiges Geschöpf.