Isolde lag erschüttert in einem Stuhl, das Gesicht in die Hände vergraben.
Karl ging im Zimmer hin und her und schaffte den Rock des Vaters, den dieser vor dem Ausgehen über den Stuhl vor dem Bett geworfen hatte, stumpf und unbewußt beiseite. Darauf goß er ein halbgefülltes Wasserglas gedankenlos ins Waschbecken. Er machte, wie es schien, Ordnung. Seine Züge verloren für keinen Augenblick das Verblüffte.
Mama kniete neben der Leiche ihres Mannes nieder, nahm die schwere Hand des Toten sanft in die Höhe und versuchte den starren Fingern das Spielzeug zu nehmen. Durch einen Zufall wohl, gelang es ihr leicht. Isolde schaute entsetzt ihrem Thun zu, auch Karl.
Jetzt legte sie die Hand still behutsam zurück und blickte auf.
Ihre beiden Kinder sahen in ein bleiches, rührendes Gesicht, auf das der Schmerz oder sonst ein Gefühl, einen Jugendhauch gelegt hatte.
Es war der Ausdruck einer weltfremden Nonne, die von Dingen sprechen sollte, die ihr nicht über die Lippen wollten, von sündhaften, schweren Dingen. Die Lippen regten sich wohl schon, — die Worte fehlten noch. Wie hilfesuchend blickte sie auf Karl und Isolde.
„Laßt es ihn nicht entgelten,“ sagte sie leise bittend, — „der Vater hatte da was Liebes. Es ist da auch ein Bübchen.“
Sie zeigte auf das kleine Schäfchen wie zur Erläuterung.
So kniete Mama vor ihren Kindern. Die Hände legten sich ihr bei ihrer großen Bitte wie zum Gebet zusammen.
Isolde stürzte mit einem Strom von Thränen zu ihr hin und schlang die Arme um sie und erstickte Mama fast mit ihrer Liebe.