Mamas in sich gekehrtes Benehmen stach wunderlich gegen das Betragen aller übrigen Personen ab.
Das Hausgesinde war so außer sich, daß ein lautes Schluchzen und Heulen den Raum erfüllte.
Karl hatte das Dumme, Ratlose, Verblüffte in den Zügen.
Isolde war vor Entsetzen ganz überwältigt, wich keinen Schritt von ihrer Mutter — nicht mehr sie zu stützen, um von ihr gestützt zu werden. Und da war über Mama wieder das Nachttierhafte, Geheimnisvolle gekommen, vor dem Isolde vor Jahren sich so gefürchtet hatte.
Wie oft hatte Mama in der langen Ehe ihren Mann tief in der Nacht empfangen, wenn er zu ihr zurückgekehrt war, ohne daß ihr von seiner Seele, seinem Wesen auch nur ein Teilchen mehr gehört hätte, als jetzt. Sein Körper war zu ihr zurückgekehrt — sein für sie toter Körper, nicht anders als heute — nein — nicht anders.
Ihre Ruhe war die Ruhe langen, stummen Leidens, einer langen, schweren Erfahrung.
Sie hatten ihn auf sein Bett ausgestreckt und der Herr, der sich als Arzt vorstellte, versuchte das weiße Wollschaf aus der Hand des Toten zu lösen. Es war ein so ganz unmöglicher Anblick, die gelbe Totenhand um das lächerliche Ding geklammert zu sehn; so leidenschaftlich geklammert, wie der Mensch die lächerlichen Dinge des Lebens umklammert hält.
Es gelang ihm nicht Doktor Frey von diesem komisch grausigen Anhängsel zu befreien.
„Lassen Sie doch,“ sagte Mama. Sie hatte den Blick nicht von dieser gelben, armen Hand mit ihrem Spielzeug gewendet.
Jetzt sprach der Arzt mit Karl, gewissermaßen als mit dem männlichen Oberhaupt der Familie. Er bot seine weitere Hilfe an und that allerhand geflüsterte Fragen. Dann ging er, ein Mann in Amt und Würden, der augenblickliche Beistand der schwer getroffenen Familie.