In dem stillen, hohen Raum stand sie, wie die im uralten Märchen, die ihren Herrn retten und sich für ihn das Herz lebend aus der Brust schneiden lassen wollte, da stand sie nackt, wie sie zur Welt geboren war, in ihrer großen Schönheit.
Sie hatte ihrem Herrn versprochen, ihm einen Wunsch zu erfüllen.
Henry Mengersen saß ganz versunken und entrückt über seiner Zeichnung.
Große Stille im Raum.
Draußen Juliwärme, Julisonne, ungeheure Laubmassen, schneeweißleuchtende, ziehende Wolken auf tiefblauer Wolkenbahn.
Sommerliches Treiben, Sommerlaute, Sommerdüfte, Sommerblumen, der Glanz von einem weiten, ruhigen Wasserspiegel — heiliger, warmer Sommerzauber.
Drinnen, in dem stillen Raum, der ganz in seine Arbeit versunkene Mann, arbeitend wie an einer Offenbarung.
Etwas Ersehntes, etwas Notwendiges war es, was ihm da geschah.
Keine Minute, keine Sekunde verlieren!
Wie eine hellleuchtende Blume steht sie regungslos und totenbleich.