Ja, das ist das Größte auf Erden, ein Weib sein — sich opfern.

Henry Mengersen hatte ganz recht mit dem, was er vom Weib dachte.

Das aber wußte er nicht, daß unter den Frauen auch freie Geschöpfe leben, freier als je ein Mann frei ist, mächtige Seelen, Seelen, die dem großen Zug der Natur, die in ihre Geschöpfe nur den Trieb zum Fressen legt, entgegenstehen, die der Natur zum Trotz sind, wie sie sind, lieben, wie sie lieben — und sich grenzenlos opfern, als stammten sie aus einer Welt mit anderen Gesetzen.

6.

Ein uraltes Märchen giebt es:

Eine reine Jungfrau wollte sich für ihren Herrn opfern, auf daß er von der Miselsucht genesen sollte.

Lebend wollte sie sich für ihn das Herz aus der Brust schneiden lassen.

Und als er durch die Thürspalte blickte, da ersah er sie bloß, wie sie zur Welt geboren war, nackt in ihrer großen Schönheit, wie sie geduldig dem Arzt die Brust bot, damit er schneiden sollte und ihren Herrn retten.

Da erbarmte sich seine Seele.

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