Die grosse Julihitze ist gekommen; das Leben ist unerträglich: alles stinkt, und die hundert Aborte nicht am wenigsten. Ich erwarte eine Katastrophe, ohne sagen zu können, was für eine.

Auf einer Strasse finde ich ein Stück Papier auf dem das Wort "Marder" steht. Auf einer andern Strasse ein ähnliches Stück Papier, das, von derselben Hand geschrieben, das Wort "Geier" trägt. Popoffsky gleicht vollkommen einem Marder und seine Frau einem Geier. Sollten sie nach Paris gekommen sein, um mich zu töten? Er, der Mörder ohne Scham, ist zu allem fähig, nachdem er Weib und Kind ermordet hat.

Ich lese eine köstliche Arbeit, "Die Freude zu sterben", und der Wunsch wird in mir wach, diese Welt zu verlassen. Um die Grenze zwischen Leben und Tod kennen zu lernen, lege ich mich aufs Bett, entkorke das Fläschchen mit Zyankalium und es verbreitet seinen tödlichen Duft. Er nähert sich, der Mann mit der Sense: ein mildes Gefühl, eine Wollust überkommt mich; aber, im letzten Augenblick, tritt immer jemand oder etwas unvermutet dazwischen: der Diener kommt unter irgendeinem Vorwand, eine Wespe fliegt zum Fenster herein.

Die Mächte weigern mir die einzige Freude, und ich beuge mich ihrem Willen.

Anfang Juli gehen die Studenten in die Ferien und lassen das Hotel leer.

Darum erregt ein Fremder, der in das Zimmer neben meinem Arbeitstisch einzieht, meine Neugier. Der Unbekannte spricht niemals; erscheint sich hinter der Wand, die uns trennt, mit schreiben zu beschäftigen. Seltsam ist jedenfalls, dass er seinen Stuhl zurückschiebt, wenn ich meinen bewege; dass er meine Bewegungen wiederholt, als wolle er mich durch seine Nachahmung necken.

Das dauert drei Tage. Am vierten mache ich diese Beobachtung: wenn ich schlafen gehe, legt sich der andere in dem Zimmer neben meinem Zimmer nieder; bin ich im Bett, so höre ich, wie er sich in das andere Zimmer begibt und das Bett neben meinem Bett einnimmt. Ich höre ihn, wie er sich parallel mit mir ausstreckt: er blättert in einem Buch, löscht dann die Lampe, holt tief Atem, dreht sich auf die Seite und schläft ein.

Eine vollständige Stille herrscht in dem Zimmer neben meinem Tisch. Er bewohnt also beide Zimmer. Es ist unangenehm, von zwei Seiten belagert zu werden.

Allein, ganz allein nehme ich das Mittagessen auf einem Tablett auf meinem Zimmer ein, und ich esse so wenig, dass der teilnehmende Diener Mitleid mit mir hat. Seit einer Woche habe ich meine Stimme nicht mehr gehört, und aus Mangel an Übung beginnt der Laut zu verschwinden. Ich habe keinen Sou mehr: Tabak und Briefmarken fehlen mir.

Da mache ich eine letzte Anstrengung und sammle meinen Willen. Ich will Gold machen, auf trocknem Wege durch Feuer. Das Geld findet sich, Öfen, Tiegel, Löschkohlen, Blasebalg, Zangen.