Seit dieser Nacht fühle ich mich noch heimatloser als vorher hier in der Welt, und gleich einem müden, schläfrigen Kinde verlange ich, "heim gehen" zu dürfen, den schweren Kopf an einen mütterlichen Busen zu legen, im Schoss einer Mutter zu schlafen, der keuschen Gattin eines unermesslich grossen Gottes, der sich mein Vater nennt und dem ich nicht zu nahen wage.

Aber dieser Wunsch verbindet sich mit einem andern: nämlich die Alpen zu schauen und genauer bestimmt die Dent du Midi im Kanton Wallis. Ich liebe diesen Berg mehr als die andern Alpen, ohne erklären zu können weshalb. Vielleicht dass es die Erinnerung an meinen Aufenthalt am Genfersee ist, wo ich die "Utopien in der Wirklichkeit" (Schweizer Novellen) schrieb, und an die Landschaft dort, die mich an den Himmel "erinnerte".

Dort habe ich die schönsten Stunden meines Lebens gelebt, dort habe ich geliebt! Geliebt Frau, Kinder, die Menschheit, das Weltall, Gott!

"Ich hebe meine Hände auf zu Gottes Berg und Haus!"

Paris, Oktober 1897.


[Zweiter Teil]

Jakob ringt

(Ein Fragment)

Als ich Ende August 1897 nach Paris zurückkehrte, fand ich mich plötzlich isoliert. Mein Freund der Philosoph, dessen tägliche Gesellschaft für mich eine moralische Stütze geworden war, und der versprochen hatte, mir nach Paris zu folgen, um dort den Winter zuzubringen, hat sich in Berlin verzögert. Er ist nicht imstande, zu erklären, was ihn in Berlin zurückhält, da Paris das Ziel seiner Reise ist und er vor Verlangen brennt, die Lichtstadt zu schauen.