Wenn nach den alten Erklärungen meine Seele in sich selbst versunken gewesen, noch in den Grenzen des Körpers geblieben wäre, hätte sie sich mit grösster Leichtigkeit und Schnelligkeit wieder entfalten können, und dies Gefühl der Überraschung während meiner Abwesenheit hätte mich nicht in so hohem Grade gequält.

Nein, ich war abwesend, und die Rückkehr meiner Seele ging auf so plötzliche Weise vor sich, dass ich darunter litt. Aber die Schmerzen waren in der Rückengegend zu merken und durchaus nicht in den Gehirnhalbkugeln: das erinnert mich an die überwiegende Rolle, die man dem plexus solaris zulegte, als ich in meiner Jugend Medizin studierte.

Ein anderes Abenteuer, das mir vor drei Jahren in Berlin passierte, ist für mich ein Beweis, dass die Exteriorisation oder Auswanderung der Seele unter aussergewöhnlichen Umständen stattfinden kann.

Nach erschütternden Krisen, Sorgen und unregelmässigem Leben sitze ich eines Nachts zwischen eins und halb zwei bei einem Weinhändler an einem Tisch, der jederzeit für meinen Kreis bereit stand. Man hatte seit sechs Uhr gegessen und getrunken und ich hatte die ganze Zeit so gut wie allein das Gespräch führen müssen. Es handelte sich für mich darum, einen jungen Offizier, der im Begriff stand, die militärische Laufbahn gegen die des Künstlers zu vertauschen, einen verständigen Rat zu geben. Da er sich zu gleicher Zeit in ein junges Mädchen verliebt hatte, befand er sich in einem äusserst überspannten Zustand; und nachdem er im Lauf des Tages von seinem Vater einen Brief mit Vorwürfen erhalten hatte, war er geradezu ausser sich. Ich vergass meine eignen Wunden, während ich die eines andern pflegte. Es war eine schwere Arbeit, bei der mein Geist sich infolge einer Reflexbewegung erhitzte. Nach endlosen Beweisführungen und Berufungen wollte ich ihn an ein vergangenes Begebnis erinnern, das auf seinen Entschluss einwirken konnte.

Er hatte den fraglichen Auftritt vergessen, und, um sein Gedächtnis zu unterstützen, fange ich an, ihn zu schildern.

—Sie erinnern sich doch jenes Abends im Augustiner-Bräu....

Und ich fahre fort, in dem ich den Tisch bezeichne, wo wir unser Kuvert verzehrt hatten; beschreibe den Schenktisch, die Tür, durch die man herein kam, die Möbel, die Bilder....

Auf einmal schwieg ich ... hatte halb das Bewusstsein verloren, ohne ohnmächtig zu sein, und sass noch auf dem Stuhle. Ich war im Augustiner-Bräu und hatte vergessen, zu wem ich sprach, als ich so wieder anfing:

—Warten Sie! Ich bin im Augustiner, aber ich weiss sehr wohl, dass ich an einem andern Ort bin; sagen Sie nichts ... ich erkenne Sie nicht, aber ich weiss, dass ich Sie kenne. Wo bin ich?—Sagen Sie nichts, das ist äusserst interessant....

Ich mache eine Anstrengung, um die Augen zu erheben—weiss nicht, ob sie geschlossen waren—und ich sah einen Nebel, einen Hintergrund von unbestimmtem Farbenton, und oben an der Decke herab senkte es sich wie ein Theatervorhang: das war die Scheidewand, besetzt von Regalen und Flaschen.