—Nicht dass ich es behaupten will, aber jetzt in letzter Zeit scheint es, als ob mich jemand überwache und meine geheimsten Gedanken zu lesen verstehe. Und im selben Augenblick, wenn ich auf irgend eine Weise über die Stränge geschlagen habe, fasst man mich auf frischer Tat.

—Bist du jemals früher Vorfällen von ungewöhnlicher Beschaffenheit ausgesetzt gewesen?

—Nicht ich, aber meine Mutter und meine Schwester, die Swedenborgianer sind.—Doch warte, ich auch, ein Mal in Berlin vor genau zwei Jahren.

—Erzähle!

—Es war so: ich ging eines Abends in der Nähe von Linden in eine Bedürfnisanstalt; da erblickte ich an meiner Seite einen barhäuptigen Mann von unbestimmten und sonderbarem Aussehen; er hatte einen Knoten hinten im Nacken, und zu meiner Verwunderung jodelte er wie ein Tiroler. Den unangenehmen Eindruck, den dieser Mensch mit seiner Leichenbitterphysiognomie auf mich machte, konnte ich nicht loswerden; um ihn von mir abzuschütteln, verlängerte ich meinen Spaziergang und ging aus der Stadt heraus; schliesslich befand ich mich auf dem Lande. Müde und hungrig trat ich in ein Wirtshaus, wo ich am Ladentisch ein Frankfurter Würstchen und ein Seidel Bier bestellte. "Ein Frankfurterwürstchen und ein Seidel Bier", wiederholt jemand an meiner Seite; und als ich mich umwende, erblicke ich den Mann mit dem Nackenknoten. Vollständig verwirrt, und unfähig zu sagen, warum, ging ich meines Weges, ohne auf das zu warten, was ich bestellt hatte. Ich habe nie näher an diesen bedeutungslosen Vorfall gedacht, aber ich besitze noch einen lebendigen Eindruck davon, und er kommt gerade jetzt in meine Erinnerung zurück.

Als er geendet hatte, bedeckte er die Augen mit beiden Händen, als wolle er das Bild auswischen, indem er den Augapfel rieb, der noch das Porträt der Gestalt festhielt.

An dieser Stelle, während der Leser sich noch des oben Erzählten im Detail erinnert, will ich ein anderes Abendteuer einschalten, das dadurch, dass es mit dem Vorhergehenden in Verbindung gesetzt wird, uns vielleicht dem guten Hafen einen Schritt näher führen wird.

Am ersten Mai ging ich recht zeitig nach dem Park, um zu Mittag zu essen, zusammen mit einem Gymnasiallehrer. Als wir uns an einem Tisch niedergelassen hatten, auf dem grossen offenen Balkon, wo kein Mensch war, empfand ich plötzlich ein Gefühl des Unbehagens, und als ich mich auf dem Stuhle umdrehte, bemerkte ich einen Mann von recht unbestimmten Aussehen, der einen unstäten, unschlüssigen Ausdruck im Blick hatte.

—Wer ist das? Fragte mich mein Begleiter, der alter Lundenser war und die ganze Bevölkerung kannte.

—Ein Fremder, ganz sicher!