Er ist toll nach Frauen, und als Freischütze nimmt er sein Wildbret sowohl auf verbotenen Jagdgründen wie auf Gemeindeland.
Im Anfang unserer Bekanntschaft, als er mir eine Zuflucht in seiner Wohnung anbot, behandelte er mich mit brüderlicher Freundschaft und pflegte mich wie einen Kranken, das heisst, mit dem rücksichtsvollen Mitleid eines seelenfrischen Freidenkers, der sich auf die Gemütskrankheiten versteht und die Nachsicht übt, die sie fordern.
Nun kann aber auch ein Freidenker seine dunklen Stunden der Traurigkeit haben, für die er keine Ursache weiss, und eines Abend, ganz spät, als die Dämmerung sich im Zimmer ausgebreitet hatte und die angezündeten Lampen nicht genügten, um die Ecken zu erhellen, wo die Schatten ihr Spiel treiben, anvertraute mir mein Freund, zur Antwort auf meinen Dank, dass die Verpflichtung ganz auf seiner Seite sei. Er habe nämlich ganz kürzlich ein Leid erlebt, da ihm sein bester Freund vom Tod entrissen sei. Seitdem werde er von unruhigen Träumen verfolgt, in die sich stets sein abgeschiedener Freund mische.
—Auch du?
—Auch?—Du verstehst doch, dass ich von Träumen spreche, die man nachts träumt....
—Ja, gewiss!
—Schlaflosigkeit, Alpdrücken und so etwas.... Du weisst wie es ist, vom Alp geritten zu werden; das kommt ja von deiner Affektion der Brust, die eine durch Exzesse gestörte Verdauung verursacht. Hast du nie Alpdrücken gehabt?
—Ja, gewiss! Man isst Krebse am Abend, und dann ist es fertig! Hast du es mit Sulfonal versucht?
—Ja, freilich! Aber sich auf die Ärzte verlassen. Du weisst vielleicht selbst....
—Ich kenne sie aus dem Grunde.... Aber lass uns mehr von deinem Kameraden sprechen, der gestorben ist. Offenbart er sich also auf eine beunruhigende Weise, ich meine im Traum?