SPLITTER
Wir sind nicht armselig genug, um ununterbrochen den Segen der Sonne, des zeitlich Aufstehens und des geordneten Lebenswandels genießen zu können!
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Eine Sache ist nicht so, wie sie ausgesprochen, sondern so, wie sie gehört wird!
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Eine Dame sagte zu mir: „Pathologisch?! Alles ist doch pathologisch, was wirklich tief sitzt!“
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Jeder Mensch rächt sich an dem anderen für das, was an ihm selber unzulänglicher ist! Der Dicke an dem Dünnen, der Rohe an dem Sanften, der Langnasige an dem Stumpfnasigen, der Krummrückige an dem Geradrückigen! Und die Frau?! Die rächt sich überhaupt! An dem Mann, daß sie eine Frau ist! Sie muß m., sie muß g., sie muß alt werden und schiech — — — „na wart, Kerl, das sollst du mir büßen!“
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Viele Männer wissen es ganz genau, daß sie tief unter ihren Frauen stehen. Deshalb stellen sie sich in Gesellschaft absichtlich über sie: „Was hat das dumme Mädi da wieder zusammengeplaudert?!“ Das dumme Mädi denkt: „Du armer Esel!“
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Ein geschmackvoll gefaßter Chrysopras ist schöner als ein hundertmal wertvollerer, geschmacklos gefaßter Diamant! Wenn du eine Dame findest, die derselben Ansicht ist, so heirate sie auf der Stelle. Aber du wirst ledig bleiben!
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„Je mehr man uns verwöhnt, desto weniger ‚christlich‘ werden wir, demütig-bescheiden. Daher ist es ‚unchristlich‘, uns zu verwöhnen!“
Ich habe Perlmutterknöpfe gesehen zu einer Krone, die schöner, leuchtender waren als Perlen zu tausend Kronen. So weit muß man es bringen! So weit vor allem muß man die Frauen bringen, diese geborenen Snobs!
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Deine Haare seien, o Frau, dein schönster apartester Hut! Sie sind schöner als die Federn des unglückseligen Edelreihers, des geplünderten Paradiesvogels und des gerupften Straußes!
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Wenn ein Mann dir nur mit Geld seine Verehrung beweisen kann, so mußt du zu „Schwartz und Steiner“ rennen, seinen Schmuck einschätzen lassen! Freilich kann er früher dort gewesen sein und gesagt haben: „Sagen Sie der Gans 3000!“
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„Alle Männer sagen mir, daß sie mich schrecklich liebhaben. Aber ich glaube nicht daran. Weil ich an meiner eigenen Wirkungskraft zweifle. Krankenpflegerinnen zweifeln nie daran, daß der Kranke sie liebhabe und an ihnen hänge!“
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„Ich komme immer wieder doch zu dir zurück!“ sagte die Dame zu dem Idioten.
„Ich wünsche mir nicht mehr!“ erwiderte der Weise.
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An einer Frau hängen!? Freilich, man hat dabei etwas wenig Luft und ist dem Ersticken nahe!
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„Wir verderben es uns mit so vielen Männern wegen Kleinigkeiten, unnötiger Grausamkeiten, Wartenlassen, gelangweilter Mienen, ungezogener Bemerkungen. Aber dadurch erfahren wir es andererseits, wer sich durch nichts abschrecken lasse, uns zu lieben!“
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Je weniger Aschenschalen du in deinem Zimmer aufstellst, desto weniger verzweifelt wirst du sein, wenn deine Gäste die Asche dennoch wo anders abstreifen. Stelle gar keine auf, damit du die Beruhigung habest, es sei deine Schuld!
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Eine Lebenskünstlerin. Eine junge Schönheit, der ich eine silberne Tabatiere mit ihrem von mir geschriebenen Namenszuge schenkte, sagte allen Herren: „Schaut’s, die hat mir der Baron Wolff g’schenkt. Was, nett?!“ Eine erboste Kollegin sagte ihr, es sei die Handschrift des Peter Altenberg, sie kenne sie. Da sagte sie: „Wann der so schreiben könnt!“
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Ich stehe jetzt immer vor einer Delikatessenhandlung und betrachte die französische, fast runde, lederbraune Birne „Madame Lavallière“, vier Kronen, die ich einst einer bestimmten Dame schenken wollte. Wenn ich denke, daß ich mich hätte hinreißen lassen, sie ihr zu schenken!? Es gibt noch befreiende Augenblicke. Jeden Tag stelle ich mich vor die Birne hin!
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Ich habe es zwar schon einmal geschrieben, aber die Menschheit scheint es vergessen zu haben: „Nicht um die Geliebte weine, die du verloren, um die weine, die dir geblieben ist!“
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„Das Leben ist eben nicht anders!“ sagte das Kaninchen, als es von der Riesenschlange lebendig langsam verschluckt wurde. Dann steckte es resigniert noch den Kopf heraus und seufzte: „Frau Schlange, wenn ich Ihnen nur schmeck!“
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Bei der Begrüßung von Menschen im Café, Restaurant usw. glaubt man es momentan an den Gesichtern abzulesen, daß sie füreinander ins Feuer gehen möchten; aber bei den ersten ausgeborgten fünfzig Kronen spießt es sich mit dem Feuer.
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Wasser ist das Ideal aller Getränke; man kann es nur genießen, wenn man nämlich wirklich durstig ist; dann aber mit Hochgenuß!
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Ich habe immer bemerkt, wenn jemand einem eine schreckliche Komplikation seines Lebens mitzuteilen die Ehre tut, man intensiv auf seine Schuhe schaut und denkt: „Man kann eigentlich doch nur bei Herring arbeiten lassen!“
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Als die „Graphologische Ecke“ mir etwas Ungünstiges schrieb, sagten alle Freunde: „Siehst du, Peter?!“
Als sie mir etwas Günstiges schrieb, sagten alle: „Jeder kennt deine Handschrift! Diese Schlaumeier!“
„Das ist eine Gemeinheit!“ sagte daraufhin das Fräulein B. mit den goldroten Haaren.
„Was ist eine Gemeinheit?! Daß Peter so berühmt ist, daß alle seine Handschrift kennen?!“
„Nein, das nicht...“
„Also was denn, was, was?!“
Da wurde sie ganz rot, verlegen und glaubte selbst, daß sie im Unrecht sei!
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Ich war in „Venedig“ in berühmten alten Palazzi, in denen ich nicht einen Tag lang leben könnte. Dann war ich in einem Kuhstall, da roch es wunderbar, und von dem Plafond hingen keine Kristallglas-Lüster herunter!
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Es gibt Frauen, denen man nicht einmal ein Kalbsgulasch zahlen möchte, und solche, für die man Wechsel fälschen möchte. Aber solche, denen man einfach sagte, so viel habe ich, so viel kann ich entbehren, gibt es nicht! Die „Ordnung“ macht ihnen keinen Spaß! Ihm oder ihr?! Beiden!
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Être enfin arrivé?! Mais c’est de très mauvaise race! Il faut être arrivé au jour de sa naissance!
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„Ich freue mich, daß ihr bürgerlichen Damen jetzt schon mit dieser genialen Tänzerin E. aus dem ‚Palais de danse‘ verkehrt!“
„O pardon, wir freuen uns, daß sie mit uns verkehrt!“
„Ich hab ja meinen Mann schrecklich gern, selbstverständlich, aber wenn wir noch einmal auf die Welt kommen sollten, den nehm ich mir nicht mehr!“
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Die Biene ist das Genie unter den Wohnungserbauern. Möchten Sie aber gern mit ihr deshalb ein Leben verbringen?! Es gibt aber Frauen, die mit genialen Wohnungserbauern gern ein Leben verbringen möchten!