(Corinnus und Silvius treten auf.)
Corinnus.
Dies ist der Weg, daß sie dich stets verschmäht.
Silvius.
O wüßtest du, Corinnus, wie ich liebe!
Corinnus.
Zum Teil errat ich's, denn einst liebt ich auch.
Silvius.
Nein, Freund: alt wie du bist, errätst du's nicht,
Warst du auch jung ein so getreuer Schäfer,
Als je aufs mitternächtge Kissen seufzte;
Allein, wenn deine Liebe meiner gleich—
Zwar glaub ich, keiner liebte jemals so—
Zu wieviel höchlich ungereimten Dingen
Hat deine Leidenschaft dich hingerissen?
Corinnus.
Zu Tausenden, die ich vergessen habe.
Silvius.
O dann hast du so herzlich nie geliebt!
Entsinnst du dich der kleinsten Torheit nicht,
In welche dich die Liebe je gestürzt,
So hast du nicht geliebt;
Und hast du nicht gesessen, wie ich jetzt,
Den Hörer mit der Liebsten Preis ermüdend,
So hast du nicht geliebt;
Und brachst du nicht von der Gesellschaft los
Mit eins, wie jetzt die Leidenschaft mich heißt,
So hast du nicht geliebt.—O Phöbe! Phöbe! Phöbe!
(Ab.)
Rosalinde.
Ach, armer Schäfer! deine Wunde suchend,
Hab ich durch schlimmes Glück die meine funden.
Probstein. Und ich meine. Ich erinnre mich, da ich verliebt war, daß ich meinen Degen an einem Stein zerstieß und hieß ihn das dafür hinnehmen, daß er sich unterstände, nachts zu Hannchen Freundlich zu kommen; und ich erinnre mich, wie ich ihr Waschholz küßte und die Euter der Kuh, die ihre artigen, rissigen Hände gemolken hatten. Ich erinnre mich, wie ich mit einer Erbsenschote schön tat, als wenn sie es wäre, und ich nahm zwei Erbsen, gab sie ihr wieder und sagte mit weinenden Tränen: "Tragt sie um meinetwillen." Wir treuen Liebenden kommen oft auf seltsame Sprünge; wie alles von Natur sterblich ist, so sind alle sterblich Verliebten von Natur Narren.