Herzog.
Nun, und Jacques?
Macht er dies Schauspiel nicht zur Sittenpredigt?

Erster Edelmann.
O ja, in tausend Gleichnissen. Zuerst
Das Weinen in den unbedürftgen Strom:
"Ach, armer Hirsch!" so sagt' er, "wie der Weltling
Machst du dein Testament: gibst dem den Zuschuß,
Der schon zuviel hat."—Dann, weil er allein
Und von den samtnen Freunden war verlassen:
"Recht!" sagt' er, "so verteilt das Elend stets
Des Umgangs Flut."—Alsbald ein Rudel Hirsche,
Der Weide voll, sprang sorglos an ihm hin,
Und keiner stand zum Gruße. "Ja", rief Jacques,
"Streift hin, ihr fetten, wohlgenährten Bürger!
So ist die Sitte eben; warum schaut ihr
Nach dem bankrotten, armen Schelme da?"
Auf diese Art durchbohrt er schmähungsvoll
Den Kern vom Lande, Stadt und Hof, ja selbst
Von diesem unserm Leben; schwört, daß wir
Nichts als Tyrannen, Räuber, Schlimmres noch,
Weil wir die Tiere schrecken, ja sie töten
In ihrem eignen heimatlichen Sitz.

Herzog.
Und ließet ihr in der Betrachtung ihn?

Erster Edelmann.
Ja, gnädger Herr, beweinend und besprechend
Das schluchzende Geschöpf.

Herzog.
Zeigt mir den Ort,
Ich lasse gern in diesen düstern Launen
Mich mit ihm ein; er ist dann voller Sinn.

Erster Edelmann.
Ich will Euch zu ihm bringen.

(Ab.)

Zweite Szene

Ein Zimmer im Palaste

(Herzog Friedrich, Herren vom Hofe und Gefolge treten auf)