(Beide ab.)
Neunte Szene
Belmont. Ein Zimmer in Porzias Hause
(Nerissa kommt mit einem Bedienten)
Nerissa.
Komm, hurtig, hurtig, zieh den Vorhang auf!
Der Prinz von Arragon hat seinen Eid
Getan und kommt sogleich zu seiner Wahl.
(Trompentenstoß. Der Prinz von Arragon, Porzia und beider
Gefolge.)
Porzia.
Schaut hin, da stehn die Kästchen, edler Prinz!
Wenn Ihr das wählet, das mich in sich faßt,
Soll die Vermählung gleich gefeiert werden.
Doch fehlt Ihr, Prinz, so müßt Ihr ohne weiters
Im Augenblick von hier Euch wegbegeben.
Arragon.
Drei Dinge gibt der Eid mir auf zu halten:
Zum ersten, niemals jemand kundzutun,
Welch Kästchen ich gewählt; sodann: verfehl ich
Das rechte Kästchen, nie in meinem Leben
Um eines Mädchens Hand zu werben; endlich:
Wenn sich das Glück zu meiner Wahl nicht neigt,
Sogleich Euch zu verlassen und zu gehn.
Porzia.
Auf diese Pflichten schwört ein jeder, der
Zu wagen kommt um mein geringes Selbst.
Arragon.
Und so bin ich gerüstet. Glück wohlauf
Nach Herzens Wunsch!—Gold, Silber, schlechtes Blei:
"Wer mich erwählt, der gibt und wagt sein Alles dran."
Du mußtest schöner aussehn, eh ich's täte.
Was sagt das goldne Kästchen? Ha, laßt sehn!
"Wer mich erwählt, gewinnt, was mancher Mann begehrt."
Was mancher Mann begehrt?—Dies (mancher) meint vielleicht
Die Torenmenge, die nach Scheine wählt,
Nur lernend, was ein blödes Auge lehrt;
Die nicht ins Innre dringt und wie die Schwalbe
Im Wetter bauet an der Außenwand,
Recht in der Kraft und Bahn des Ungefährs.
Ich wähle nicht, was mancher Mann begehrt,
Weil ich nicht bei gemeinen Geistern hausen,
Noch mich zu rohen Haufen stellen will.
Nun dann zu dir, du silbern Schatzgemach!
Sag mir noch mal die Inschrift, die du führst:
"Wer mich erwählt, bekommt soviel, als er verdient."
Ja, gut gesagt: denn wer darf darauf ausgehn,
Das Glück zu täuschen und geehrt zu sein,
Den das Verdienst nicht stempelt? Maße keiner
Sich einer unverdienten Würde an.
O würden Güter, Rang und Ämter nicht
Verderbterweis erlangt und würde Ehre
Durch das Verdienst des Eigners rein erkauft,
Wie mancher deckte dann sein bloßes Haupt!
Wie mancher, der befiehlt, gehorchte dann!
Wie viel des Pöbels würde ausgesondert
Aus reiner Ehre Saat! und wieviel Ehre
Gelesen aus der Spreu, dem Raub der Zeit,
Um neu zu glänzen!—Wohl, zu meiner Wahl!
"Wer mich erwählt, bekommt soviel, als er verdient."
Ich halt es mit Verdienst: gebt mir dazu den Schlüssel,
Und unverzüglich schließt mein Glück hier auf.