»Jeder quält seine Frau. Und Kunstenthusiasmus ist noch lange nicht das Schlimmste.«
»Nein, gewiß nicht; jedenfalls wollen wir darüber nicht streiten; es
ist ein weites Feld. Und dann sind auch die Menschen so verschieden.
Du, nun ja, du hättest dazu getaugt. Überhaupt hättest du besser zu
Innstetten gepaßt als Effi. Schade, nun ist es zu spät.«
»Überaus galant, abgesehen davon, daß es nicht paßt. Unter allen
Umständen aber, was gewesen ist, ist gewesen. Jetzt ist er
mein Schwiegersohn, und es kann zu nichts führen, immer auf
Jugendlichkeiten zurückzuweisen.«
»Ich habe dich nur in eine animierte Stimmung bringen wollen.«
»Sehr gütig. Übrigens nicht nötig. Ich bin in animierter Stimmung.«
»Und auch in guter?«
»Ich kann es fast sagen. Aber du darfst sie nicht verderben. Nun, was hast du noch? Ich sehe, daß du was auf dem Herzen hast.«
»Gefiel dir Effi? Gefiel dir die ganze Geschichte? Sie war so sonderbar, halb wie ein Kind, und dann wieder sehr selbstbewußt und durchaus nicht so bescheiden, wie sie's solchem Manne gegenüber sein müßte. Das kann doch nur so zusammenhängen, daß sie noch nicht recht weiß, was sie an ihm hat. Oder ist es einfach, daß sie ihn nicht recht liebt? Das wäre schlimm. Denn bei all seinen Vorzügen, er ist nicht der Mann, sich diese Liebe mit leichter Manier zu gewinnen.«
Frau von Briest schwieg und zählte die Stiche auf dem Kanevas.
Endlich sagte sie: »Was du da sagst, Briest, ist das Gescheiteste, was ich seit drei Tagen von dir gehört habe, deine Rede bei Tisch mit eingerechnet. Ich habe auch so meine Bedenken gehabt. Aber ich glaube, wir können uns beruhigen.«