Rast am Ufer des Schatt-el-Hille.
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GRÖSSERES BILD
Alexander war sehr vergnügt, fügt Arrian hinzu, denn die Prophezeiung der Chaldäer von einem Unglück, das ihm in Babylonien zustoßen werde, war nicht eingetroffen. Als er aber auf der Rückfahrt seinen Dreiruderer mit eigener Hand durch die Sümpfe lenkte, entführte ihm ein heftiger Windstoß seine Kopfbedeckung und die darumgewundene Stirnbinde. Diese blieb im Schilf auf einem der alten assyrischen Königsgräber hängen — schon ein bedenkliches Vorzeichen. Einer seiner Begleiter stürzte sich ins Wasser und holte schwimmend die Binde des Königs zurück; damit sie nicht naß wurde, wand er sie um seinen eigenen Kopf. Alexander schenkte ihm dafür zur Belohnung ein Talent, befahl aber zugleich, ihn zu köpfen, denn wer sein Königsdiadem getragen, müsse sterben. Nach andern Gewährsmännern blieb der Schwimmer am Leben und war niemand anders als Seleucus. Der Vorfall wurde von vielen dahin gedeutet, daß Alexander am Schlusse seiner Laufbahn stehe und Seleucus sein Nachfolger sein werde, was ja auch in gewissem Sinne zutraf. —
Doch zurück in die Gegenwart! Um 10 Uhr waren wir wieder an Bord und fuhren auf dem alten Euphrat weiter. Der Schatt-el-Hille läuft hier so gerade wie ein Kanal und ist nur etwa 170 Meter breit. Selten sah man Menschen oder Feuer an den Ufern. Die Stille wurde nur ab und zu von Hundegebell unterbrochen oder vom Klatschen der Ruder, wenn wir einem Ufer zu nahe kamen. Die Stimmung war zauberhaft, in herrlichem Mondschein glitten wir dahin.
Palmenwald auf dem rechten Ufer des Schatt-el-Hille.
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GRÖSSERES BILD
Als wir um 5 Uhr erwachten, waren die Ufer des Schatt-el-Hille mit zahlreichen Palmen geschmückt, die ihre dunkelgrünen Federn im Wasser spiegelten. Die Fähre bewegt sich nur langsam vorwärts, denn dieser Arm des Euphrat hat geringe Strömung. Eine feierliche Stimmung weht uns aus den dunkeln Säulenhallen der Palmen entgegen. Ihre Wurzeln saugen ja ihre Kraft aus den Gräbern Babylons, und eine Fülle großer Erinnerungen aus Tausenden von Jahren strömt auf uns ein. In ehrfürchtigem Schweigen fahren wir ihnen entgegen.
Auf dem linken Ufer erhebt sich jetzt über die Palmen hinweg eine scharf abgegrenzte plateauförmige Anhöhe. Das ist Babil, ein Name, der noch heute von den Arabern gebraucht wird, ein Name, der 5 bis 6000 Jahre alt ist. Wohl ist die Anhöhe nur ein Haufen Trümmer, unter denen der Sommerpalast Nebukadnezars ausgegraben ist. Aber doch steht sie da wie eine Klippe im Meer, über dessen Fläche verheerende Stürme dahingegangen sind.