„Führ mich dahin!“

Vom Hof ging es eine Treppe hinauf über eine offene Galerie in das Zimmer. Ein Licht wurde angezündet, mein Feldbett mit dem Moskitonetz aufgestellt und mein Gepäck auf Tisch und Stühle gelegt. Es war gegen 1 Uhr. Bei wem ich mich einquartiert hatte, ahnte ich nicht. Aber ich machte mir darüber auch keine Gewissensbisse. Denn die Fahrt auf Euphrat und Tigris an einem Tag und auf der merkwürdigen Eisenbahn hatte mich ermüdet, und ich sehnte mich nach Ruhe.

Als getreuer Wächter hatte sich Sale vor meiner Zimmertür auf den Boden gelegt. Eben wollte ich unter das Netz kriechen, da erklangen feste Schritte auf der Galerie, und ein deutscher Feldgrauer trat herein. Als er mich erblickte, stutzte er und stand da wie ein fleischgewordenes Fragezeichen. Er hatte das Licht brennen sehen und geglaubt, der rechtmäßige Besitzer des Zimmers sei zurückgekehrt.

„Wer ist denn der?“ fragte ich.

„Der Tibetforscher Professor Tafel aus Stuttgart.“

„Wie, Tafel? Mein alter Freund aus der Berliner Richthofen-Zeit!“

„Ja, eben der. Er war einige Tage krank und ist in Behandlung bei Dr. Herle.“

So hatte der Zufall mich, der ich bei stockdunkler Nacht Bagdad betrat, ohne daß jemand von meiner Ankunft wußte, nicht nur in das Haus, sondern auch in das Zimmer geführt, das ausgerechnet ein Tibetforscher bewohnte, und noch dazu einer, den ich schon seit vielen Jahren kannte!

Nachdem mich Hauptmann Müller — denn das war der Feldgraue — noch eine Weile über die Verhältnisse in Bagdad unterrichtet hatte, wünschte er mir gute Nacht und überließ mich dem Schlaf.