Wassernapf und darfst nicht trinken!
ERZIEHUNG
An ein zwölfjähriges Mädchen:
„Wenn du es ganz genau wissen willst, Martha-Maria, ob du jemanden wirklich gern hast, so verlasse dich nie auf dein eigenes gesprochenes Wort: ‚Ich hab Sie gern!‘, sondern denke sogleich nach, ob es dich mehr freuen würde, ein geliebtes Buch, eine geliebte Puppe oder irgendeinen deiner geliebten Gegenstände dem Betreffenden zu schenken, als es für dich selbst zu behalten! Dann wirst du erst es genau wissen, ob du jemanden wirklich liebhast!!!“
*
„Martha-Maria, ich schenke dir heute meine geliebte Lido-Muschelsammlung, in einem braunen geflochtenen japanischen Korb. Ich habe am Strande des Adriatischen Meeres seit dem 3. Mai gesammelt, und zwar unter Tausenden nur die apartesten. Die elf Tigermuscheln jedoch habe ich dazu gekauft, denn, obzwar sie auch zu den Kunstwerken der Adria gehören, findet man sie nie am Strande, sondern muß sie tief fischen wie die Schwämme. Diese Muschelsammlung legte ich mir an als Andenken an den Lido und an manches andere, Freud und Leid, wie es schon so kommt. Nun schenke ich sie dir, Martha-Maria, denn das Wort: ‚Ich habe dich lieb‘ hat ja doch zu wenig Bedeutung und zu wenig Klang!
Dein Peter.“
REFORMATIONSZEITALTER
Die Reform der Mode haben nicht unwissende geschäftsgierige Schneider, sondern höchstkultivierte Hygieniker zu dekretieren! Ich dekretiere also für Frühling, Sommer, Herbst 1914: Gehen ohne Kopfbedeckung! Der „Steirische Janker“, ohne Gilet zu tragen, in aparten modernen englischen Mustern, homespunartig! Breite kurze Bauernhose, mit Ledergürtel! Es ist eine einfache, hübsche, gesunde, billige Tracht! Für hübsche, gutgewachsene, also magere Damen (die anderen sollen gehen wie sie wollen!): Fußfreier Glockenrock, weite Seidenbluse, kein Hut! Dein Haar, o Fraue, sei dein schönster, apartester, elegantester und billigster Hut, der nie „aus der Mode kommt“! „Die Schneider und Modisten wollen auch existieren!“ Diesem Schlachtruf schreien wir entgegen: „Wir wollen keine Schulden machen!“ „Wir wollen leicht gekleidet, gesund und hübsch und apart zugleich gekleidet sein!“ Alle Vögel des Waldes sind gesund, hübsch und apart gekleidet. Aber bei uns dekretierte ein moderner Architekt: „Gehet so gekleidet, wie der König von England gekleidet geht!“ Solche Blödsinne sagen die Vögel des Waldes nie: Gehet wie der Adler gekleidet, unser König!