Ich hielt sie lange in Ehren, und Maeterlinck hätte daraus längst einen Einakter gemacht: Krone 1893. Aber als der Lohndiener Anton die Bezahlung der Zigaretten verlangte und ich sagte, ich hätte momentan nichts flüssig, wies er auf diese auf dem Schreibtisch liegende Krone 1893 und sagte: „Da haben wir ja noch eine!“ — „Sie ist ungültig!“ sagte ich, „schauen Sie!“ — „Dös wer’n mer schon machen, da verlassen’s Ihnen auf meine Geschicklichkeit, dös blöde Wort ‚Albert‘ wird kaner sehn!“ Und so verschwand die Krone 1893 aus meinem Besitze und begann wieder ihren Kurs in die Welt hinein, den ich in einer Anwandlung von „falscher Romantik“ eine Zeitlang aufgehalten hatte — — —.

MEIN BRUDER

Es wäre abgeschmackt, über einen leiblichen Bruder eine Hymne zu schreiben. Aber da er außerdem ein „Lebenskünstler“ ist feinster Art, so schreibe ich dennoch über ihn, trotz der nahen Verwandtschaft. Seine „Bedürfnislosigkeit“ gemahnt an Diogenes, obzwar er nicht in einer Tonne, sondern Alserstraße 51 wohnt. Ich schickte ihm einmal, in einer pathologischen Anwandlung von Bruderliebe, hundert Stück seiner Lieblingszigaretten: Hanum, Korkmundstück. Wir sind alle für „Korkmundstück“, da „trocken zu rauchen“ eine Aufgabe des modernen kultivierten Menschen ist. Alles darf naß sein, nur nicht die Zigarette. Zu Ende geraucht, muß sie so trocken sein wie anfangs in der Schachtel, nur natürlich verkürzter um das, was man weggeraucht hat!

Also, ich schickte meinem Bruder hundert Stück „Hanum“ mit Korkmundstück. Am nächsten Tage sagte er zu mir: „Denke dir, welches Malheur mir passieren mußte mit deinen Zigaretten! Ich saß beim Frühstück, machte einige Züge, und deine Zigarette fiel mir in die Teeschale hinein!“ „Nun,“ sagte ich, „du hattest doch noch eine ganze Schachtel voll vor dir stehen!?“ „Pardon,“ erwiderte er, „die sind bereits für neunundneunzig herrliche Frühstücksmorgen eingeteilt!“ Ich hatte keine Tränen im Auge, da ich für solche Marlitt-Utensilien nicht eingerichtet bin. Aber ich hatte sie in der Seele, und vor allem gedachte ich aller verschwenderischen und idiotischen Schurken, die es um mich herum gibt — — —!

LIEBE

Er liebte sie irrsinnig und vergeblich. Man liebt immer nur irrsinnig, wenn es vergeblich ist! Dann wurde sie sehr, sehr krank. Da sagte sie zu ihm: „Ich habe Mitleid mit Ihnen. Ich will mich vor Ihnen noch nackter zeigen als nackt!“ Und sie entrollte ein großes Blatt Papier, auf dem ihr „Röntgenbild“ photographiert war. „O, dieses grazile Knochengerüstchen!“ sagte er entzückt. „Aber bitte nun um den einzigen Gefallen, zeigen Sie es ja nicht dem Herrn — —; das will ich wenigstens vor dem Hund voraus haben!“

DER LUXUS VON HEUTE UND SEINE ÜBERTREIBUNGEN

Eine Rundfrage der „Zeit“

Ich hasse und verachte den Luxus, wie alles hygienisch Unnötige. Ob wir heutzutage den Luxus forcieren? Wir nicht! Die Idioten! Die Übertreibungen des Luxus äußern sich in allem, was nicht unbedingt und direkt zur Gesundheit des Leibes gehört. Der Luxus ist eine „fixe Idee“, eine „Hysterie“ von Halbgebildeten und hohlen Emporgekommenen, also gänzlich Heruntergekommenen! Ich sehe in dem Luxus: Sodom und Gomorrha! Wo Luxus am Platze ist? In bezug auf: Hygiene und Diätetik!

MEINE SCHWESTER