Im „Tabarin“ gaben die Herren an Blumen aus für das Fräulein Paula:
Lila gefüllte Nelken: 20 Kronen.
Ceriserote Rosenknospen: 30 Kronen.
Mimosa pudica, Büsche: 10 Kronen.
Weiß-grüne Schneeballen, Büsche: 10 Kronen.
„Der Diener soll mir’s ins Auto nachtragen, gib ihm 3 Kronen! Aber vorn, daß die Leut es sehn!“
Am nächsten Morgen sagte das aschblonde wunderbare siebzehnjährige Küchenmädchen zu mir: „Schneeglöckerln gibt’s schon, Jessas, wie bei uns in ‚Steinhaus‘, beim Waldsumpf, aber teuer sein’s noch, 30 Heller das Büscherl!“
MOULIN ROUGE, „VENEDIG IN WIEN“
Lieber Baron!
Ich verdanke Ihnen eine reizende friedvolle „Drahnacht“ mit zwei ausgezeichneten vornehmen, überaus menschlich feinen Amerikanerinnen, Tänzerinnen. Sie haben mir in selbstlosester Art die ganze „Regie des Abends“ überlassen, und ich hoffe, daß es Sie nicht mehr gekostet hat, als das Vergnügen Ihnen wert war. Besonders die Fahrt des Morgens in den Donauauen war märchenhaft! Die Damen waren unbedingt zufrieden in unserer Gesellschaft, und nirgends befand sich ein „trüber Beigeschmack“, der doch überall leicht durch ein „Nichts von einem Nichts“ sonst entstehen könnte!? Es gibt so viele Taktlosigkeiten, unbewußte, zwischen fremden Charakteren! Niemand ahnt es eigentlich, wie häufig er verletzt!
Ich habe in dieser schönen Nacht das Wort geprägt: „Die ‚Regie der Liebe‘ ist wichtiger als die Liebe selbst!“ Freilich kostete es Ihr Geld und nicht das meine! Da kann ich leicht Aphorismen von mir geben — — —. Es gibt keine „Sympathien“ auf der „Bühne des Lebens“, wenn man sie nicht als „geschicktester Regisseur seines eigenen Herzens“ richtig, künstlerisch, taktvoll in Szene setzt!!! Eine jede Frau erwartet „geschickteste Mise en scène!“ Wer seinem eigenen Empfinden allein folgt, vergißt, daß der andere dadurch vielleicht nur in große Verlegenheit, in eigentümliche Mißstimmung gebracht wird — — —. Selbst eine „dargebrachte Rose“ will ihre „zarteste Regie“ haben, um zu wirken! Die Art, der Moment der Übergabe, hundert Dinge sind dabei zu berücksichtigen! Ein „Regisseur seiner selbst“ sein ist alles! Eine „dargebrachte Rose“ kann das echteste Zeugnis eines tief impressionierten Herzens sein! Aber, schlecht und ungeschickt gemanaged, wird sie zu einer banalen, billigen und konventionellen Liebenswürdigkeit! Dieser Abend, diese Nacht also, dieser Morgen in den Donauauen, mit der blutroten Sonne, der breiten stillen Donau, dem Morgendunst über den gelben Grasbüscheln, den rosenroten Gesträuchen, den grauen, gelben, roten, braunen Kieselfeldern von abgerundeten, gleichsam von ewigem Wasser abgeschliffenen Kieseln — — — alles das war wundervoll! Nur das eine störte, daß im Laufe der so schönen friedvollen Stunden ich mich immer intensiver für Ihre Dame, Sie sich immer intensiver für meine Dame zu interessieren begannen — — —. Als wir jedoch beide Damen bei ihrer Wohnung abgesetzt hatten und nun allein der Stadt zufuhren, fühlten wir es: Wäre deine Dame meine Dame und meine Dame deine Dame gewesen, so würden dieselben Empfindungen sich entwickelt haben! Also war die Regie ja doch vorzüglich, denn immer fliegt einer auf die Dame des anderen! Sonst wär’s ja gar zu fad!
KARRIERE
Der Herr Redaktionsphotograph, der zwei Wände meines Zimmers aufnehmen sollte, weil „die großen europäischen Illustrierten“ es ihren gierigen Lesern zeigen wollten, wie P. A. haust, sagte: „Ich möchte auch ein Stück Ihres Schreibtisches dazu aufnehmen.“ — „Ganz unnötig, denn erstens habe ich keinen, zweitens schreibe ich alles im Bett. Nehmen Sie ein Stück von dem Bett auf dazu!“ — Ich sagte: „Wie wird man eigentlich Redaktionsphotograph?! Ich weiß nur, wie man Dichter wird. Man ist eine Schande seiner gütigen Eltern, ist Jurist, Mediziner, Buchhändler und dann gar nichts mehr. Aber wie wird man Redaktionsphotograph?!“