Wie, also doch morgen, übermorgen, in acht Tagen, in zwei Monaten, also überhaupt irgend einmal?! Aber da hatte er diese Allergeliebteste ja schon bereits in Besitz genommen durch diesen Ausspruch! Die goldenen schimmernden Tore zur Seligkeit standen offen, er erschaute bereits ihre körperliche geliebte Herrlichkeit! Er war von nun an ein gesalbter König. Was ist dagegen dieses armselige Wörtchen: „Komm!“ Und wenn sie es auch gar nie, gar nie sagen würde später, seine Hochzeitsnacht war: „Pas aujourd’hui!“ Der Hoffnungsstrahl!

GYMNASIUM

Ordinarius der zweiten Gymnasialklasse an den reichen Vater eines elfjährigen Söhnchens, das bereits fabelhaft auf der Violine Mozart, Haydn spielt:

„Sehr geehrter Herr Kommerzialrat, falls es Ihnen Ihre kostbare Zeit gestattet, erbitte ich mir dringend im Interesse Ihres Herrn Sohnes eine Unterredung!“

Unterredung:

„Könnten Herr Kommerzialrat, bei Ihrer Vorbildung, nicht mit ihm selber die Verba auf mi durchstudieren?! Ein Vater ist eben stets doch noch eine tiefere Autorität als ein armer Lehrer!“

„Herr Professor, ich will Ihren Lieblingswunsch also erfüllen. Ich habe von ganz klein angefangen, da weiß ich also doppelt den Wert der Verba auf mi zu schätzen!“

Ich begreife es nicht, wieso man nicht vor allem einen Weltkrieg führt gegen die toten, wirklich toten Sprachen!? Solange man sie mühselig erlernt, kann man die Schönheit der Klassiker noch nicht erfassen. Und später findet man, daß Tolstoi, Hamsun, Gorki, Tschechow, Strindberg viel wichtiger sind, um das Leben in seinen geheimnisvollen Tiefen kennen zu lernen!

Wir haben nur eine gewisse Summe von Lebensspannkräften, vitalen Energien! Was davon in den acht Jahren Gymnasium vergeudet wird, würde ausreichen, jeden für die ganze übrige Zeit zum Genie zu machen!

JAUSE