Die Heilandslehre siege in den Herzen!

MEINE TRÄNEN

Lasset mich mich erinnern! Wann, wann habe ich wirklich bitterlich geweint?! Wenn meine Mama abends ins Theater ging oder für Bälle sich langsam frisierte. Aber damals war ich erst sieben Jahre alt. Das gilt nichts. Als Maria Renard in der Oper „Werther“, als Lotte, den Abschiedsbrief des Werther vorlas, vorsang, in sich hineinsang! Und dieselbe in der Oper „Manon“, als sie in der Steppe verschmachtete, sie, die doch einst, nun wie kann man es ändern?! Lasset mich mich erinnern, wann ich noch wirklich weinte!? Über vieles, das außerhalb und ferne war von meinem Leben. Über nichts, was nah war und mir sozusagen naheging. Da sieht man doch zu genau, daß es nicht dafür steht!

QUOD LICET

Der berühmte Architekt führte seine geliebte junge Frau zu ihrer Namenstagfeier, Bessie, in das Oratorium „Heilige Elisabeth“ von Franz Liszt. Ich sagte ihr, sie würde dabei, trotz der versteckten aber nicht offenbaren Schönheiten, vor Langweile krank werden! Sie sagte ängstlich-befreit zu ihm: „Hörst du?!“ Nein, er hörte nichts. Nun stelle ich es mir vor, wenn ich, um das „Heilige-Elisabeth-Oratorium“ zu hören, meine Geliebte zu ihrem Namenstage hineinbrächte! „Dieser schamlose Egoist Altenberg führt diese unglückliche Person in dieses urlangweilige schreckliche Oratorium, noch dazu angeblich zu ihrer Namenstagfeier, sie heißt nebbich Lisabeta, weil der Hund selbst nämlich es gern hören will! Ah da schau her!“ Beim berühmten Architekten hingegen jedoch sagen sie: „Was sagen Sie, was für ein reizender zarter aufopfernder Mensch! Bringt seine Frau an ihrem Namenstage zu dem herrlichen Oratorium „Heilige Elisabeth“ und scheut keine Kosten!“

Moral: Non licet Jovi, quod licet bovi!

SIGNOR IO

Jetzt will ich ein bißchen, wie angenehm, über mich direkt mich äußern, nicht versteckt in diskreten Gedichten. Also, selbst meine glühendsten Verehrer werden paff sein, ich halte mich für den Typus des normalen Menschen! Nämlich insoweit auch die Kremoneser Amati-Geige eigentlich der Typus der Normalgeige ist! Daß sie auf Reize, Fingerdruck und Bogenstreichen, zarter, intensiver, tiefer, anders reagiert als die Marktgeige, die Herdengeige, ist selbstverständlich. Meine fast pathologische, oder ganz pathologische Reizbarkeit auf Eindrücke des Lebens, Natur, Frau, Kind, Musik, Geld, macht mich zum Typus der Reizungsfähigkeiten aller Organe aller Menschen! Daß es bei ihnen nicht so zum sichtbaren vernehmbaren Ausdruck kommt, ist ein Glück für Alle; weil sie Marktgeigen, keine Kremoneser sind! Sie kratzen, und ich töne, voilà tout! Der ganze Unterschied liegt in der mysteriösen Konstruktion!

SPLITTER