Die Gesellschaft entfernte sich, als es an der Zeit war, und er blieb allein mit der Hausfrau, zu der er sagte:
»Es kann kein Zweifel mehr sein: sie weicht mir aus, sie entschuldigt sich fortwährend. Wenn ich sie nur sehen, nur einen Augenblick mit ihr sprechen könnte – aber diese Ungewißheit –«
»Vielleicht ist ihr scheinbares Ausweichen bloßer Zufall. Gehen Sie in das kleine Empfangszimmer droben und warten Sie einen Augenblick. Ich muß rasch einen häuslichen Auftrag geben, der mir eben einfällt, und will dann auf ihr Zimmer gehen. Sie wird sich gewiß bestimmen lassen, Sie zu empfangen.«
Herr Burley ging die Stiege hinauf in der Absicht, das kleine Empfangszimmer aufzusuchen; als er aber an ›Tante Susannes‹ Boudoir vorüberging, dessen Thüre ein wenig offen stand, hörte er ein ihm wohlbekanntes fröhliches Lachen; so ging er denn ohne anzuklopfen und unangemeldet hinein. Ehe er aber seine Nähe bemerklich machen konnte, hörte er Worte, die ihm schwer auf die Seele fielen und sein Blut erkalten machten. Er hörte vor dem Telephon eine Stimme sagen: »Liebste, es ist angekommen, es ist da.«
Dann hörte er Rosannah Ethelton, die mit dem Rücken gegen ihn stand, antworten: »Das deinige auch, Teuerster!«
Er sah ihre vorgebeugte Gestalt sich noch tiefer herabbeugen; er hörte sie etwas küssen – nicht bloß einmal, sondern wieder und wieder! Seine Galle kochte in ihm. Die herzbrechende Unterredung wurde fortgesetzt:
»Rosannah, ich wußte, daß du schön sein müßtest; aber dein Bild übertrifft meine Ahnung: ich bin völlig geblendet!«
»Alonzo, es macht mich überglücklich, daß du das sagst. Ich weiß zwar, daß es nicht wahr ist; aber ich bin trotzdem dankbar, daß du es glaubst! Ich wußte, daß du edle Züge haben müßtest, aber die Anmut und Majestät der Wirklichkeit machen die Schöpfung meiner Phantasie zu einem armseligen Schattenbild.«
Burley hörte wieder jenen prasselnden Schauer von Küssen.