»Bei dem Duell!«
»Ist hier ein Duell gewesen?«
»Versteht sich. Der alte Richter hat sich mit einem Zwilling geschossen.«
»Du meine Güte! – Also, deshalb hat er das Testament wieder gemacht,« überlegte er im stillen; »der Gedanke, daß er fallen könnte, hat seinen Zorn gegen mich besänftigt. Das war es auch, was Howard und er so eifrig mit einander beredet haben! … O, wenn ihn der Zwilling nur totgeschossen hätte, dann wäre meine Qual auf einmal aus gewesen.«
»Was murmelst du da vor dich hin, Schamber? Wo warst du denn? Hast du von dem Duell gar nichts gewußt?«
»Kein Sterbenswort. Der Alte verlangte, ich sollte mich mit dem Grafen Luigi schlagen, doch da kam er an den Unrechten. Nun hat er wahrscheinlich selbst die Familienehre wieder zusammenflicken wollen.«
Er fand diesen Einfall höchst lächerlich und begann nun alle Einzelheiten seines Gesprächs mit dem Richter zu erzählen, auch wie entsetzt und außer sich der Alte gewesen war, daß ein Glied seiner Familie so feige sein könne. Beim Schluß des Berichts blickte er zu Roxana auf und bekam keinen geringen Schrecken, als er sah, wie sie in leidenschaftlicher Erregung mit fliegendem Atem dastand, während ein Ausdruck bodenloser Verachtung in ihren finstern Mienen lag.
»Der Mann hat dir ’nen Fußtritt gegeben, und du hast dich geweigert, mit ihm zu kämpfen, statt heilfroh zu sein über die Gelegenheit? Und du schämst dich gar nicht, vor mich hinzutreten und mir zu sagen, was ich für ’nen jammervollen erbärmlichen Furchthasen in die Welt gesetzt hab’? Mir wird übel und weh davon. Es muß der Nigger sein, der in dir steckt. Du bist über und über weiß, bis auf ein einziges, winziges Stückchen, aber dies winzige schwarze Teilchen ist deine Seele. Die ist keinen Pfifferling wert, man thäte ihr noch zu viel Ehre an, wenn man sie mit ’ner Schaufel auf den Kehricht würfe. Du schändest deine Geburt. Was würde dein Vater von dir denken – er muß sich ja im Grabe ’rumdrehn.«
Die letzten Worte machten Tom rasend vor Wut. Er sagte sich, daß wenn sein Vater noch am Leben wäre und ein Mordstahl ihn erreichen könnte, er seiner Mutter schon beweisen wollte, wie genau er wisse, was er dem Mann schuldig sei und wie gern er ihm alles heimzahlen würde, selbst auf Gefahr seines Lebens. Doch hielt er es bei Roxys augenblicklicher Stimmung für geraten, solche Gedanken nicht laut werden zu lassen.
»Was du mit deinem Essex-Blut gemacht hast, ist mir ein Rätsel. Aber das ist nicht etwa das einzige, edle Blut in dir. Mein Urururgroßvater und dein Ururururgroßvater war der alte Kapitän John Smith, der vornehmste Mann, den Altvirginien je gesehen hat. Seine Urahne aber aus ältester Zeit war Pocahontas, die Indianer-Königin, und ihr Mann war ein Negerkönig drunten in Afrika. Und bei solcher Abkunft stehst du da, fürchtest dich vor ’nem Zweikampf und entehrst deinen ganzen Stamm, als wärst du ’n elender gemeiner Hund. Ja, ja, das kommt von dem Nigger, der in dir steckt.«