»Ich hab’s gethan!«

»Ich hab’s gethan!« – »Gnade, Massa, Gnade! – Herrgott erbarme dich über uns arme Neger!«

Driscoll steckte seine Uhr ein. »Nun gut,« sagte er, »ich will euch hier verkaufen, obwohl ihr es nicht verdient. Von Rechts wegen sollte ich euch den Fluß hinunter schicken.«

Die Schuldigen warfen sich in überschwenglichem Dankgefühl vor ihm auf den Boden, küßten ihm die Füße und versicherten, sie würden seine Güte nun und nimmermehr vergessen und ihr Leben lang für ihn beten. Sie meinten das ganz aufrichtig, denn, hatte er nicht wie ein Gott seine mächtige Hand ausgereckt und die Pforten der Hölle vor ihnen verschlossen? – Er selbst wußte, daß er eine edle, hochherzige That vollbracht hatte und war innerlich stolz auf seine Großmut. Am Abend schrieb er den Vorfall in sein Tagebuch, damit sein Sohn ihn in späteren Jahren lesen könnte und durch sein Beispiel angetrieben würde, ebenfalls Güte und Menschlichkeit walten zu lassen.

Drittes Kapitel.

Nachdem sich Percy Driscoll seinem Hausgesinde so gnädig erwiesen, schlief er den Schlaf des Gerechten. Roxy dagegen konnte die ganze Nacht über vor Grauen und Entsetzen kein Auge zuthun. Der Gedanke, daß man ihren Knaben, wenn er groß wurde, flußabwärts verkaufen könne, machte sie fast wahnsinnig. Verlor sie auch auf Augenblicke das klare Bewußtsein und schlummerte ein, so sprang sie doch gleich wieder auf die Füße und stürzte zu ihrem Kinde, um zu sehen, ob es noch in der Wiege sei. Sie riß es heraus, drückte es an ihr Herz, gab ihm tausend Liebesnamen und bedeckte es mit heißen Küssen. »Sie sollen’s nicht thun, nein, nein! – Eher bringt dich deine Mammy um!« rief sie unter Schluchzen und Stöhnen.

Als sie es wieder zurück ins Bettchen legte, warf sich das andere Kind im Schlaf unruhig umher. Sie trat zu ihm und betrachtete es lange.

»Warum sollst du alles Glück haben und mein armer Kleiner nichts?« sagte sie. »Was kann er dafür? Weshalb ist Gott dir so gut, und für ihn sorgt er nicht? Dich kann kein Mensch flußabwärts verkaufen. O, wie hasse ich deinen Pappy – er hat kein Gefühl, kein Herz für die Neger. Ich könnte ihn töten vor Abscheu.« Sie überlegte eine Weile und brach dann wieder in wildes Schluchzen aus. »Nein, nein, ’nen anderen Weg giebt’s nicht. Es muß sein. Lieber mein Kind umbringen, als immer fürchten zu müssen, daß es mir entrissen und verkauft würde. Bring’ ich Massa Percy um, so schicken sie meinen Kleinen doch einmal den Fluß hinunter. Es hilft nichts, deine arme Mammy muß es thun, um dich zu retten, Herzblatt –« sie drückte den Knaben an die Brust und erstickte ihn fast mit ihren Liebkosungen. »Mammy muß dich töten – ob ich’s wohl kann? – Aber weine nur nicht – Mammy verläßt dich nicht – sie geht mit dir und bringt sich auch um. Komm nur, Herzblatt, komm mit deiner Mammy; wir springen zusammen ins Wasser, dann ist alle Not dieser Welt vorbei – im Jenseits drüben verkauft man arme Neger nicht flußabwärts.«

Sie redete dem Kinde beschwichtigend zu und eilte nach der Thür; plötzlich stand sie still; dort hing ihr neues Sonntagskleid – ein elendes Kattunfähnchen mit auffallendem Muster und schreiend bunten Farben bedruckt. Sie betrachtete es mit sehnsüchtigem Verlangen.