Nachdem Onkel Prudent das Papier eingelegt, umwickelte er die Dose sorgsam mit einem dicken wollenen Band, um zu verhüten, daß dieselbe sich während des Falles schon öffne und durch das Aufschlagen nicht in Stücke gehe. Jetzt galt es nur noch eine günstige Gelegenheit abzuwarten.

Das Schwerste bei der ganzen Sache war es aber während dieser merkwürdigen Fahrt über Europa, das Ruff zu verlassen, über das Verdeck zu kriechen, auf die Gefahr hin, fortgerissen zu werden, und das ganz heimlich durchzuführen. Andererseits kam es darauf an, daß die Dose nicht in ein Meer, einen Golf, See oder einen anderen Wasserlauf fiel, denn damit — wäre sie ja verloren gewesen.

Jedenfalls schien es aber nicht unmöglich, daß die beiden Collegen sich durch dieses Mittel mit der bewohnten Welt in's Einvernehmen setzen konnten.

Eben jetzt wurde es jedoch Tag und es schien rathsamer, die Nacht abzuwarten und entweder eine Verminderung der Geschwindigkeit oder einen Halt zu benützen, um das Ruff zu verlassen. Vielleicht konnten sie dann die Reeling erreichen und die kostbare Dose genau über einer Stadt herunterfallen lassen.

Doch selbst bei dem Zusammentreffen aller günstigen Umstände hätte das Vorhaben nicht gleich zur Ausführung gebracht werden können — wenigstens nicht am heutigen Tage.

Nachdem der Aeronef nämlich Norwegen in der Höhe des Gusta verlassen, hatte er sich nach dem Süden zu gewendet und folgte jetzt genau dem französischen Meridian Null, der bekanntlich über Paris verläuft. Er schwebte also über die Nordsee hinweg, nicht ohne an Bord der Tausende von Küstenfahrern, welche zwischen dem Festlande und England verkehren, das größte Aufsehen zu erregen. Fiel die Dose hier nicht gerade auf das Deck eines solchen Schiffes, so hatte sie die gegründete Aussicht, auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe zu versinken.

Onkel Prudent und Phil Evans sahen sich also genöthigt, einen günstigeren Augenblick abzuwarten. Da sollte sich ihnen, wie wir sehen werden, bald eine besonders geeignete Gelegenheit darbieten.

Gegen zehn Uhr Abends erreichte der „Albatros“ die Küste Frankreichs, nahezu in der Höhe von Dunkerque. Die Nacht war ziemlich dunkel. Einen Augenblick konnte man den Leuchtthurm von Gris-Nez seine elektrischen Lichtstrahlen mit denen von Dover kreuzen sehen, die also den Canal in seiner ganzen Breite erhellten. Dann steuerte der „Albatros“ über Frankreich hin und hielt sich dabei in einer mittleren Höhe von etwa tausend Metern.

Seine Geschwindigkeit hatte sich freilich nicht geändert. Wie eine Bombe flog er über Städte, Schlösser und Dörfer hinweg, die so zahlreich in den fruchtbaren Provinzen des nördlichen Frankreichs zerstreut liegen. Es waren das unter dem Meridiane von Paris nach Dunkerque, Doullons, Amiens, Creil, St. Denis ... Immer hielt jener dabei eine gerade Linie ein. So gelangte er gegen Mitternacht über die „Stadt des Lichts“, welche diesen Namen wenigstens verdient, wenn ihre Einwohner schlafen oder doch schlafen sollten.

Welch' sonderbare Laune veranlaßte nun den Ingenieur gerade über der Stadt Paris einmal anzuhalten? Niemand weiß es. Jedenfalls aber senkte sich hier der „Albatros“ so weit, daß er nur wenige hundert Fuß über derselben schwebte. Robur trat aus seiner Cabine hervor und auch die ganze Mannschaft erschien, um lustwandelnd einmal frische Luft zu schöpfen, auf dem Verdeck.