„Wäre damit aber gesagt, daß der Mensch darauf verzichten müsse, das Luftmeer zu beherrschen und durch Nutzbarmachung dieses wunderbaren Beförderungsmittels die Zustände der alternden Welt umzuwandeln? Gewiß nicht! So wie er der Herr der Meere geworden durch das Schiff mit Ruder, Segel, Rad oder Schraube, so wird er auch zum Herrn der Luft werden durch Apparate, welche schwerer sind als diese, denn unbedingt müssen jene schwerer sein, um mächtiger sein zu können.“

Jetzt war in der Versammlung aber kein Halten mehr. Welche Breitseite von Zurufen donnerte aus jedem Munde, die alle auf Robur zielten, wie eben so viele Gewehrläufe oder Kanonenrohre! Sollten sie nicht antworten auf solch' offenbare, in's Lager der Ballonisten geschleuderte Kriegserklärung? Wurde hiermit nicht der Kampf zwischen dem „leichter“ und „schwerer als die Luft“ ausgesprochener Maßen wieder aufgenommen?

Robur verzog keine Miene. Die Arme über der Brust gekreuzt wartete er es regungslos ab, bis wieder Ruhe eingetreten war.

Onkel Prudent befahl durch eine Handbewegung, das Feuer einzustellen.

„Ja, fuhr Robur fort, die Zukunft gehört den Flugmaschinen. Die Luft bietet den hinreichenden, soliden Stützpunkt. Man verleihe einer Säule dieses Mediums eine aufsteigende Bewegung von 45 Meter in der Secunde, und ein Mensch würde sich schon oberhalb derselben erhalten, wenn die Sohlen seiner Schuhe nur ein Achtel Quadratmeter Oberfläche boten. Würde die Geschwindigkeit der Luftsäule auf 90 Meter gesteigert, so könnte er mit bloßen Füßen darauf gehen. Treibt man nun durch die Flügel einer archimedischen Schraube eine Luftmasse mit derselben Schnelligkeit fort, so erzielt man dasselbe Resultat.“

Was Robur hier sagte, hatten vor ihm alle Anhänger der sogenannten Aviation ausgesprochen, deren Arbeiten langsam, aber sicher zur Lösung des vorliegenden Problems zu führen versprechen.

Die Ehre, diese einfachen Gedanken verbreitet zu haben, kommt Ponton d'Annécourt, La Landelle, Nadar, Luzi, Louvrie, Liais, Bélégnic, Moreau, den beiden Richard, Babinet, Jobert, Du Temple, Salives, Penaud, De Villeneuve, Gauchol und Tatin, Michel Loup, Edison, Planavergue und noch einer Menge anderer Männer zu. Mehrmals aufgegeben und wieder aufgenommen, mußte denselben doch eines Tages der Sieg zu Theil werden. Und hatten von dieser Seite die Feinde der Aviation, welche behaupteten, daß der Vogel nur durch Erwärmung der Luft, mit der er sich aufbläht, fliege, auf Antwort warten müssen? Hatten die Erstgenannten nicht vielmehr nachgewiesen, daß ein 5 Kilogramm wiegender Adler sich hätte mit 50 Cubikmeter jenes erwärmten Fluidums anfüllen müssen, um sich dadurch allein frei schwebend zu erhalten?

Ganz dasselbe wies auch hier Robur mit unerbittlicher Logik nach, aber inmitten eines Heidenlärmes, der sich von allen Seiten erhob. Zum Schluß warf er den Ballonisten noch folgende Worte in's Gesicht:

„Mit Ihren Aerostaten können Sie nichts ausrichten, werden Sie zu nichts kommen und niemals etwas wagen dürfen. Der kühnste Ihrer Aeronauten, John Wise, mußte, obwohl er schon eine Luftreise von 1200 Meilen über das Festland Amerikas zurückgelegt hatte, doch auf die Absicht, über den atlantischen Ocean zu fahren, verzichten. Und seit jener Zeit sind Sie um keinen Schritt, um keinen einzigen auf diesem Wege vorwärts gekommen.

— Mein Herr, begann da der Vorsitzende, der sich vergeblich bemühte, ruhig zu bleiben, Sie vergessen offenbar, was unser unsterblicher Franklin ausgesprochen hat, als die erste Mongolfière aufstieg, also zur Zeit der Geburt des Ballons. „Jetzt ist das nur ein Kind, aber es wird wachsen!“ lautete seine Prophezeiung, und es ist gewachsen!