„Nein, tu es weg. Das ist so scheußlich gelb!“
Seufzend nahm sie das Buch wieder an sich. Weiß Gott, was das mit dem Kinde war! Sie kannte mancherlei Empfindlichkeiten und Launen an ihm, aber so war er noch nie gewesen.
„Paß auf,“ sagte sie sanft beschwörend, „jetzt bring ich dir einen feinen, warmen Tee, und du darfst dir Zucker hineintun und ein schönes Zwieback dazu haben.“
„Ich will nicht!“
„Probier’s einmal! Es tut dir gut, du wirst sehen.“
Gepeinigt und wütend sah er sie an.
„Wenn ich aber nicht will!“
Sie ging hinaus und blieb eine lange Weile fort. Er blinzelte ins Licht, es schien ihm übermäßig grell und tat ihm weh. Er wandte sich ab. Gab es denn keinen Trost, kein bißchen Vergnügen, keine kleine Freude mehr für ihn? Trotzig und weinerlich drückte er das Gesicht ins Kissen und biß unwillig in das weiche, fad schmeckende Linnen. Das war ein auftauchender Widerschein aus seiner allerfrühesten Kindheit. Als ganz kleiner Junge hatte er, wenn er zu Bett gebracht war und nicht gleich einschlafen konnte, die Gewohnheit gehabt, in sein Kissen zu beißen und mit einer gewissen Taktmäßigkeit darauf zu kauen, bis er müde wurde und einschlief. Das tat er nun wieder und arbeitete sich langsam in eine stille Betäubung hinein, die ihm wohl tat und in welcher er ruhig liegen blieb.
Die Mutter kam nach einer Stunde wieder herein. Sie beugte sich über ihn und sagte: „So, will Pierre jetzt wieder artig sein? Du warst vorher sehr unartig, und Mama ist traurig gewesen.“
Das war zu anderen Zeiten ein starkes Mittel, dem er selten widerstand, und als sie nun die Worte sagte, war sie nicht ohne Besorgnis, er möchte es sich zu sehr zu Herzen nehmen und weinen. Er schien aber gar nicht auf ihre Worte zu achten, und als sie nun etwas strenge fragte: „Du weißt doch, daß du vorher ungezogen warst?“, verzog er den Mund beinahe spöttisch und blickte vollkommen gleichgültig.