„O, ich habe Bilder sehr gern, und das hier ist wunderschön.“

„Gefällt es dir? Das freut mich. Ich lasse dir eine Photographie davon machen. Und wie fühlst du dich denn wieder auf Roßhalde?“

„Danke, Papa, sehr gut. Aber ich wollte dich wirklich nicht stören, ich kam nur wegen einer Kleinigkeit – –“

Der Maler hörte nicht. Er sah seinem Sohn zerstreut ins Gesicht, mit dem langsam zugreifenden, etwas überanstrengten Blick, den er stets bei der Arbeit hatte.

„Wie denkt ihr jungen Leute heutzutage eigentlich über die Kunst? Ich meine, gilt da Nietzsche, oder liest man noch Taine – er war gescheit aber langweilig, dieser Taine – oder habt ihr neue Ideen?“

„Taine kenne ich noch nicht. Über das hast du ja gewiß viel mehr nachgedacht als ich.“

„Früher, ja, da war die Kunst und die Kultur und das Apollinische und Dionysische und all das Zeug mir furchtbar wichtig. Aber heut bin ich froh, wenn ich ein gutes Bild zusammenbringe, es sind keine Probleme mehr dabei, jedenfalls keine philosophischen. Und wenn ich sagen müßte, warum ich eigentlich ein Künstler bin und alle die Leinwand vollmale, so würde ich sagen: ich male, weil ich keinen Schweif zum Wedeln habe.“

Erstaunt sah Albert seinen Vater an, der seit langem kein solches Gespräch mehr mit ihm geführt hatte.

„Keinen Schweif? Wie meinst du das?“

„Sehr einfach. Hunde und Katzen und andere begabte Tiere haben einen Schwanz, und nicht nur für das, was sie denken und fühlen und leiden, sondern für jede Laune und Schwingung ihres Wesens und für jede feine Wallung ihres Lebensgefühls hat ihr Schwanz mit tausend Schnörkeln eine wunderbar vollkommene Arabeskensprache. Die haben wir nicht, und da die Lebhafteren unter uns doch eben auch so etwas brauchen, so machen sie sich eben Pinsel und Klaviere und Geigen ...“