„O ja, das will ich tun. Dazu muß ich aber ein schönes großes Papier haben.“

Aus einer Tischlade suchte der Vater ein Stück Zeichenpapier hervor, spitzte einen Bleistift und schob dem Knaben einen Stuhl heran. Pierre fing alsbald, auf dem Sessel kniend, die Maus und die Katze zu zeichnen an. Veraguth, um ihn nicht zu stören, setzte sich hinter ihn und betrachtete den dünnen gebräunten Hals, den geschmeidigen Rücken und den noblen, eigenwilligen Kopf des Kindes, das ganz in sein Tun versunken war und mit ungeduldigem Lippenspiel seiner Arbeit folgte. Jeder Strich, jeder kleine Fortschritt und jedes Mißglücken war in dem beweglichen Munde, in der Bewegung der Brauen und Stirnfalten deutlich gespiegelt.

„Ach, es ist nichts!“ rief Pierre nach einer Weile, richtete sich, auf die flachen Hände gestützt, empor und schaute seine Zeichnung kritisch mit eingekniffenen Augen an.

„Es wird nichts!“ klagte er zürnend. „Papa, wie macht man denn eine Katze? Meine sieht wie ein Hund aus.“

Der Vater nahm das Papier in die Hände und ging ernsthaft darauf ein.

„Wir müssen ein wenig radieren,“ sagte er gelassen. „Der Kopf ist zu groß und nicht rund genug, und die Beine sind zu lang. Warte nur, wir kriegen das schon heraus.“

Vorsichtig fuhr er mit dem Gummi über Pierres Blatt, holte ein neues Papier und zeichnete darauf eine Katze.

„Schau, so muß sie werden. Sieh dir’s ein wenig an und zeichne dann eine neue Katze.“

Allein Pierres Geduld war erschöpft, er gab den Bleistift zurück und nun mußte der Papa weiterzeichnen, zur Katze noch eine kleine junge Katze, und dann eine Maus, und dann wie Pierre kommt und sie befreit, und schließlich verlangte er noch einen Wagen mit Pferden und einem Kutscher darauf.

Und plötzlich war auch das langweilig. Singend lief der Knabe ein paarmal durch die Stube, schaute durchs Fenster, ob es noch regne, und tanzte zur Türe und hinaus. Unter den Fenstern hin klang sein feiner, hoher, kindlicher Gesang, dann ward es still und Veraguth saß allein, das Blatt mit den Katzen in der Hand.