Die Freunde sahen einander prüfend in die Augen. Der größere und stärkere Burkhardt mit dem gesunden Gesicht und den warmen, lebensfrohen Augen stand wie ein großes Kind vor dem Maler, dessen Blick und Gesicht scharf und streng aus den vorzeitig ergrauenden Haaren sah.

„Das ist vielleicht dein bestes Bild,“ sagte der Gast langsam. „Ich habe auch die in Brüssel gesehen und die zwei in Paris. Ich hätte es nicht gedacht, aber du bist in den paar Jahren noch vorwärts gekommen.“

„Das freut mich. Ich glaube es auch. Ich bin ziemlich fleißig gewesen, und manchmal meine ich, ich sei früher eigentlich nur ein Dilettant gewesen. Ich habe erst spät richtig arbeiten gelernt, aber jetzt bin ich drüber Herr geworden. Weiter geht es nun wohl auch nicht, Besseres als das hier kann ich nicht machen.“

„Ich verstehe. Na, du bist ja auch reichlich berühmt geworden, sogar auf unseren alten Ostasiendampfern habe ich gelegentlich von dir sprechen hören und bin ganz stolz geworden. Wie schmeckt es denn nun, das Berühmtsein? Freut es dich?“

„Freuen, das will ich nicht sagen. Ich finde es in Ordnung. Es leben zwei, drei, vier Maler, die vielleicht mehr sind und mehr geben können als ich. Zu den ganz Großen habe ich mich nie gerechnet, und was die Literaten darüber sagen, ist natürlich Blech. Ich kann verlangen, daß man mich ernst nimmt, und da man das tut, bin ich zufrieden. Alles andere ist Zeitungsruhm oder Geldfrage.“

„Na ja. Aber wie meinst du das mit den ganz Großen?“

„Ja, damit meine ich die Könige und Fürsten. Unsereiner bringt es zum General oder Minister, dann ist er an der Grenze. Siehst du, wir können nichts tun als fleißig sein und die Natur so ernst nehmen, als irgend möglich ist. Die Könige aber, die sind Brüder und Kameraden der Natur, sie spielen mit ihr und können selber erschaffen, wo wir nur nachbilden. Aber freilich, die Könige sind rar, es kommt nicht alle hundert Jahre einer.“

Sie gingen im Atelier auf und ab. Der Maler, nach den Worten suchend, blickte angestrengt zu Boden, der Freund ging nebenher und suchte in dem bräunlich mageren, starkknochigen Gesicht Johanns zu lesen.

Bei der Tür zum Nebenraum blieb Otto stehen.

„Mach doch hier einmal auf,“ bat er, „und laß mich die Zimmer sehen. Und gib mir eine Zigarre, gelt?“