Hermann Hesse bringt immer Freude, bringt immer Gewinn. Diese höchste Kunst in der stillsten Schlichtheit seines Wortgefüges, diese innig beteiligte Herzlichkeit seiner Menschenschilderung, diese ruhig abwartende Ironie der Darstellung menschlicher Schwächen und Schwänke sind unvergleichlich. Wie Gottfried Keller in seinen „Seldwylern“, so hat Hesse in seinen Gerbersauern seine sicherste Meisterschaft erreicht, seine ganz persönliche Domäne gefunden. Nur ungern verläßt man den Kreis derer, die sein Blick aus dem Alltage gehoben, gewählt hat zu Kunstwerklein, deren filigranfein gestichelte Prägung dem Kenner und beschaulichen Genießer nachhaltige Freuden gewährt.
(Berliner Tageblatt)
Aus Indien
Hesse hat Indien ganz auf seine Art erlebt, mit jener selben großen, verinnerlichten Gelassenheit, mit der er in seinen Romanen und Novellen Menschen und Landschaften seiner süddeutschen Heimat erlebt. Wohin er uns auch führt, es ist ein berückender Genuß, ihm zu folgen. Alles Fremde, Exotische führt den Dichter schließlich zu sich selbst zurück. So wirkt es denn ganz selbstverständlich, daß seine Aufzeichnungen sich in einer Reihe schön-schlichter Gedichte fortsetzen, in denen eine durch alle östlichen Wunder nicht gestillte Wandersehnsucht Ausdruck findet, und dann in einer Erzählung endigen, in der der Dichter die neu eroberte Umwelt als Hintergrund für ein mit Meisterschaft erzähltes Menschenschicksal benutzt. Damit pflückt er noch einmal eine nach Farbe und Duft exotische Blüte, und doch ist der Baum, an dem sie gewachsen, ein völlig heimischer; eine in die feinsten seelischen Gründe tauchende Erzählkunst, wie sie Hesse mit unsern besten deutschen Meistern verbindet.
(Königsberger Allgemeine Zeitung)
Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
Anmerkungen zur Transkription
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